Poco a poco für die Qero (Peru)

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Schritt für Schritt auf hohem Niveau

Seit 2001 betreut das Ehepaaar Herta und Peter Suchy Hilfsprojekte bei den Qero, Nachfahren der Inkas, insbesondere in der Comunidad (Dorfgemeinschaft) Japu. Die Dörfer der Qero befinden sich in den Anden auf bis weit über 4.000 Metern Seehöhe, die bis vor kurzem nur über einen Bergpfad über mehrere rd. 5.000 Meter hohe Pässe erreichbar waren. Für eine Reise nach Cuzco benötigten die Qero früher mindestens zwei Tage, heute dank einer neuen Straße nur mehr einen Tag. Trotzdem ist immer noch ein Fußmarsch von mindestens fünf Stunden über einen hohen Pass notwendig, um z.B. auch alle (Hilfs)-Güter in die Dörfer zu bringen. Damit sind die Qero aber näher an die „Zivilisation“ gerückt, die einerseits Vorteile bringt (mehr Chancen im Ein- und Verkauf von Produkten, bessere medizinische Versorgung), andererseits werden die Verlockungen zur Abwanderung (die oft in den Slums der Großstädte endet) größer.

Über die Qero

Sie gelten als letzte direkte Nachfahren der Inka. Sie leben in Peru, im Andenhochland der Cordillera Vilcanota auf einer Seehöhe von 2.000-4.800 Metern in der Provinz Paucartambo, ca. 90 km südöstlich von Cuzco, der ehemaligen Inkahauptstadt. Schätzungen zufolge besteht ihr Volk aus etwa 1500 Personen, das in verschiedenen Comunidades, so nennen sich ihre Dorfgemeinschaften in Cochamarca, Hatun Qero, Japu, Kiko, Lekepampa, Marcapata, Tinki, Racchi und Yanaruma lebt. In der Comunidad Japu leben z.B. 75 Familien; insgesamt etwa 350 Menschen. Dort gibt es auch eine Schule und ein Dorfparlament. Alle zwei Jahre wird der „Alcalde“ (Bürgermeister) gewählt.

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Seit der spanischen Eroberung im 16. Jhdt. mussten die Q`ero unter sklavenähnlichen Umständen auf ihrem eigenen Grund und Boden für ihre Kolonialherren schuften. Erst 1963 wurden sie vom Staat aus der Leibeigenschaft durch Enteignung der Hazienderos (Großgrundbesitzer) befreit und den Überlebenden das Land zugesprochen. Sie sprechen nach wie vor Quechua, die alte Inkasprache, wobei sie schon viele spanische Wörter übernommen haben. Je nach Klimazone, in der sie leben, bauen sie Mais und Gemüse, hauptsächlich aber Kartoffel an. Es ist ihr Grundnahrungsmittel, das als einziges Saatgut, den Klimaverhältnissen trotzt. In den Lagen über 3000m werden Lamas, Alpakas und Schafe gezüchtet. Durch die lange Zeit der Enteignung ging aber leider viel traditionelles Wissen der Inka über die an die Höhenlage angepasste Landwirtschaft verloren. Neben der Landwirtschaft ist ihre wichtigste Arbeit, hauptsächlich die der Frauen, die Verarbeitung der Wolle. Sie wird mit einfachsten Mitteln, einer Handspindel zum Faden gesponnen, mit natürlichen Stoffen gefärbt und schließlich mit Rückenband- oder horizontalem Bodenwebstuhl zu farbenprächtigen Webdecken gewoben. Die Techniken und Muster werden als Erbe der Vorfahren an die Jungen weiter gegeben. Trotz der bitteren Erfahrungen der letzten Jahrhunderte und der daraus resultierenden gestörten sozialen Ordnung, haben die Q`ero – mehr als die meisten anderen indigenen Gemeinschaften in den Anden – nach wie vor tief das uralte und spirituelle Wissen von Bräuchen und Ritualen der einstigen Hochkultur der Inka gespeichert.

Kurze Zusammenfassung der bisher umgesetzten Hilfsleistungen:

Über eine Zeitraum von 14 Jahren hat das Ehepaar Suchy folgende Hilfsleistungen vor Ort durchgeführt bzw. Güter angeliefert: Warme Kleidung, Schulpakete (Hefte, Schreibutensilien, Seifen, Zahnbürsten und -pasten), Lebensmittel (Getreide, Saatgut), Werkzeuge (z.B. Schaufeln, Spitzhacken, Motorsägen), Haushaltsgeräte (Kochtöpfe und Geschirr), Ankauf von Alpakas als Grundlage für die Weiterzucht, Übernahme von Familien- und Kinderpatenschaften, Errichtung von Kleinwasserkraftwerken (liefert elektrischen Strom in den Dörfern Japu und Yanaruma), Radio-Tele-Kommunikationsanlage: Funkgerät mit Sendeanlage, die neben der Kommunikation unter den entlegenen Dörfern die Möglichkeit bietet bei Unfällen, Krankheiten oder wichtigen Arbeiten rasch Hilfe anfordern zu können, Gewächshäuser (für eigenes Gemüse, das ansonsten auf Grund der Höhenlage nicht verfügbar ist), Trinkwasserleitungen bzw. Wasserentnahmestellen (siehe Artikel Neptun-Wasserpreis), Solar-Dusche für die Schule in Japu, Solarkocher, Kleinsägewerk, Lehmöfen für 67 Haushalte (siehe Artikel weiter unten).

SolarkocherGewächshaus

Bald war die Spannung vorbei: Die erstmals mit dem Solarenergie gekochte Erdäpfelsuppe schmeckte ausgezeichnet (links vorne Peter Suchy)
Ein Qero und Herta Suchy präsentieren das im Gewächshaus gezogene „Hochgebirgsgemüse“

Alle laufenden Hilfsmassnahmen wurden bis dato fast ausschließlich durch private Spenden (u.a vor allem durch Aktionen der Gesellschaft für bedrohte Völker-Österreich) finanziert. Herta und Peter Suchy bezahlen ihre mittlerweile zahlreichen Aufenthalte in Peru aus eigener Tasche und haben auch den mit 5.000 Euro dotierten Neptun-Wasserpreis 2007, den sie für die Errichtung der Wasserleitung in Japu erhalten haben, in ihre Projekte investiert.

Ohne Rauch geht’s auch

DSC01769Lehmofen

Die Qero-Häuser bestehen meist nur aus einem einzigen fensterlosen Raum, mit einer offenen Feuerstelle, ohne Rauchabzug. Wenn gekocht wird, füllt sich der Raum mit Rauch, worunter besonders die Lungen der Kinder leiden. 2013 organisierten Herta und Peter Suchy effiziente Abhilfe: In Workshops zeigten professionelle Ofenbauern den Qero Öfen aus Lehmziegeln zu errichten und zu bedienen. Dazu braucht man aber auch Materialien, die die Qero nicht selbst herstellen können: Die für 67 Haushalte benötigten Herdplatten und Ofenrohre mussten über einen langen und beschwerlichen Weg befördert werden. Allerdings blieb beim ersten Versuch der voll beladene Lastwagen auf einer Höhe von 4.200 Metern in 30 cm Neuschnee stecken. Beim zweiten Anlauf schaffte der LKW auch den 4.800 Meter hohen Riti Casa Pass, dann ging es weiter nach Racchi, wo die Straße endet. Von hier waren es noch eineinhalb Stunden zu Fuß, um nach Japu zu gelangen – dem Hauptort in etwa 3.750 Meter Höhe.

Neptun Wasserpreis 2007

Projekttitel: Errichtung einer Trinkwasserleitung, Q’ero – Japu (Peru) – Nominierung und Hauptpreis

Eingereicht von: Herta Suchy und Ing. Peter Suchy

Qero-brunnenIm Bergland der Ostkordilleren leben in Hochtälern die indigenen Qero. Peter und Herta Suchy machten während mehrerer Peru-Reisen Bekanntschaft mit dieser in großer Armut lebenden Volksgruppe, im Besonderen mit der Dorfgemeinschaft von Japu. Hilfsmaßnahmen wie die Bereitstellung von warmer Kleidung, der Ankauf einfacher Werkzeuge oder die Errichtung von Gewächshäusern wurden dort bereits gesetzt, der größte Wunsch aber war die Errichtung einer Trinkwasserleitung. Der tägliche Wasserbedarf wurde durch ein Gerinne, das von Mensch und Tier gleichermaßen zur Ver- und Entsorgung genutzt wurde, gedeckt. Die Gefahr der Verseuchung war groß. Familie Suchy machte es sich deshalb zum Ziel, die Dorfgemeinschaft bei der Errichtung einer ordnungsgemäßen Trinkwasserversorgung fachlich und organisatorisch zu unterstützen. In einem ersten Schritt wurde eine Wassergenossenschaft gegründet sowie die Quelle, die aufgeschlossen werden soll, bestimmt. Nach Beschaffung von Werkzeug und Materialien wurde am 13. Juni 2004 mit dem Bau der Wasserleitung begonnen. Eine Woche später konnte sie in Betrieb genommen werden. Zur Finanzierung hatte sich das gegründete Comitee del agua potable um eventuell mögliche regionale Förderungen für Trinkwasserversorgung bemüht, was aber leider erfolglos blieb. Peter und Herta Suchy riefen deshalb in ihrer lokalen Umgebung in Österreich zu Spenden auf. Letztlich konnten die Baukosten von insgesamt 3.700 Euro zur Gänze aus Geldern von Privatpersonen sowie durch eine Unterstützung der Gesellschaft für bedrohte Völker finanziert werden. Das Projekt übernimmt somit eine Vorbildrolle hinsichtlich des sozialen Engagements von Privatpersonen. Es zeigt, dass erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit nicht nur durch den Staat oder entsprechende Organisationen, sondern auch durch private Initiativen geleistet werden kann. Quelle: http://www.wasserpreis.info/projekte/2007.php

… Wir werden immer wieder zurückkommen…

Interview mit Hans Bogenreiter (HB): Wie hat sich der Kontakt zu den Qero ergeben?

Herta Suchy (HS): Ich pflege immer zu sagen, Zufälle gibt es nicht  – aber für dieses Mal, mache ich vielleicht doch eine Ausnahme. Eine ehemalige Freundin hatte mir ein Buch einer us-amerikanischen Psychologin mit dem Titel „Die Rückkehr des Inka“ empfohlen. Erst der 2.Teil hat mich richtig gefesselt und nicht mehr losgelassen. Darin wird der Anthropologe Juan Nunez del Prado, den wir zufällig 1999 in Wien im Zuge eines Vortrages kennen lernten, erwähnt. Die Forschungsergebnisse seines Vaterst Oscar hatten 1963 zur Befreiung der Qero aus der Sklaverei von Hazienderos durch den Staat geführt. Juan erzählt in diesem Buch über das einfache Leben der Qeros. Das entfachte ein besonderes Interesse in mir. Zwei Jahre später, 2001, war es dann soweit. Peter und ich trafen in Cuzco „zufällig“ drei Qero (leicht zu erkennen an ihren selbst gestrickten und mit weißen Perlen besetzten Mützen), die uns gleich in ihr Dorf einluden, das wir erst nach zwei Tagen erreichten: acht Stunden auf der Ladefläche eines LKW’s inmitten von Indigenen, auf staubiger Schotterstraße über den 5000m hohen Huayna-Huaya-Pass, eine eiskalte Nacht in einer stallähnlichen Baracke in Coline, danach acht Stunden Fußmarsch über den 5000m hohen Kimsa-Cocha–Pass nach Japu Grande, der Hauptsiedlung  der Qero.

HB: Nicht auf Zufall berührt eure Begeisterung für die Bergwelt, die Euch u.a. auch in die Anden geführt hat.

Herta-schiHS: Ich habe eine glückliche Kindheit und Jugend am Fuße der schroffen Bergabhänge des Hochschwabs im engen Salzatal verbracht. Dort wurde mir aber auch schon früh bewusst, wie schwierig das Leben in der Gebirgswelt sein kann. Andererseits bekomme ich von der Natur und der Bergwelt so viel zurück und ich kann daraus Kraft und Lebensfreude schöpfen. Da es für Mädchen und Frauen in unserem Tal praktisch keine Berufsmöglichkeit gab, war für mich klar, mir einen Arbeitsplatz irgendwo in der „Zivilisation“ suchen zu müssen. Mein Drang auch die andere Welt zu entdecken, war und ist auch heute noch der vorrangigste Grund Weichselboden immer wieder den Rücken zu zukehren. Im Älter werden und nach dem Kennenlernen von Teilen dieser großen Welt, weiß ich aber um so mehr, den Wert meiner Heimat zu schätzen und zu lieben. Gleichzeitig faszinieren mich nach wie vor die viel höheren und imposanten Anden und ich kann sehr gut die Gefühle der dort lebenden Menschen und ihre ehrfürchtige Beziehung zu den ihnen heiligen Gipfeln, den „Apus“ (Berggeistern) und der Natur nachvollziehen.

HB: Peter, du bist ja – wenn ich mir das erlauben darf – eher ein „Flachländer“, wie ist deine Liebe zum Hochgebirge entstanden?

PS: Schon in meiner Kindheit lernte ich, als geborener Wiener, von meinen Eltern die Begeisterung für die Bergwelt kennen. Fast jedes Wochenende waren wir zu jeder Jahreszeit im Wienerwald und später auf der Hohen Wand, im Rax- Schneeberggebiet, dem Eldorado der Wiener Bergsteiger, unterwegs. Schon im Volksschulalter faszinierten mich Geschichten von Entdeckungsreisen und Bergbesteigungen. Nach Abschluss meiner Ausbildung als Elektrotechniker investierte ich mein erstes verdientes Geld in eine Alpinausbildung. Ab diesem Zeitpunkt war ich jede verfügbare Zeit mit gleichgesinnten Freunden und oder meinem Bruder beim Bergsteigen und Klettern in den Wiener Hausbergen, aber auch Hochschwab, Gesäuse, Glocknergebiet uvam.

Schließlich konnte ich einen guten Bergfreund 1977 überreden, mit mir eine geführte Reise nach Nepal ins Dhaulagirigebiet zu unternehmen und dort den Dhampus Peak zu besteigen. Ab diesem Zeitpunkt ließen mich die Weltberge nicht mehr aus ihrem Bann. In den folgenden Jahren war ich mit Herta unterwegs, z.B. in Indien: Quellen des Ganges–Baghiratigruppe, in Nepal: Annapurna Südgruppe, Tent Peak, in Peru: Misti, in Bolivien: Condoririgruppe, Huayana-Potosi, in Tansania: Kilimandjaro, in Mexiko: Popocatepetl und zuletzt 2010 wieder in Peru: Chachani 6075m. In Österreich sind wir von Hertas Geburts- und Elternhaus in Weichselboden aus häufig im Hochschwabgebiet auf (Schi)Tour.

HB: War die Idee für eine Zusammenarbeit mit einer örtlichen Gemeinschaft bei euren Reisen schon irgendwie im Hinterkopf oder hat sie sich erst im Kontakt mit den Qero manifestiert?

HS und Peter Suchy (PS): Bei unserer ersten Begegnung mit den Qero 2001 haben wir keine Gedanken an eine Zusammenarbeit verschwendet. Die so schwer erreichbare und einsame Gegend, fernab von jeder Infrastruktur, erschien uns nicht weiter verlockend. Erst zu Hause, als wir das Erlebte Revue passieren ließen, berührte uns die so herzliche Gastfreundschaft, die tiefe Dankbarkeit für Kleinigkeiten und die Lebensfreude, der so in ärmlichen Verhältnissen lebenden Menschen, im Innersten. Ab diesem Zeitpunkt war für uns beiden klar: Wir müssen helfen. So begann eine Zusammenarbeit, die nun schon über zehn Jahre andauert.

HB: Nach einer so engen Beziehung, ja Freundschaft mit so vielen Menschen ist da überhaupt an ein zeitliches Ende der Projekte zu denken?

HS/PS: Nachdem unsere Projekte unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ stehen, sollte einmal der Zeitpunkt kommen, ruhigen Gewissens sagen zu können: Wir werden nicht mehr gebraucht, die Menschen dort kommen ohne weitere Hilfe und Unterstützung zurecht. Natürlich haben sich viele enge Beziehungen und Freundschaften entwickelt, wir haben die Patenschaften von 12 Hochzeitspaaren und von über 100 Kindern (als Art Treuhänder von Spendern) übernommen. Wir werden daher, so lange wir physisch dazu in der Lage sind, immer wieder zu den Qero zurückkommen und beobachten wie sich alles weiterentwickelt und wenn gewünscht, ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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PS: Herta Suchy betreibt als Heilmasseurin eine eigene Praxis für Kinesiologie, Massage und spirituelle Beratung (siehe www.hertasuchy.at), Peter Suchy arbeitete als Elektrotechniker und Referent bis zu seiner Pensionsierung bei Wien-Energie. Sprachlicher Hinweis: Es gibt unterschiedliche Schreibweisen für die Qero (oft auch Q`ero). Hier einheitlich Qero. 

Spendenkonto: Ing. Peter u. Herta Suchy, BAWAG, IBAN: AT36 1400 0042 1005 4141, Kennwort „Qero“, Website: www.qero.at

Alle Fotos: Herta und Peter Suchy

 


1 Kommentar

  1. tolle ideen, aktionen, projekte – gut, dass soviel gutes geschieht!

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