Alexander Buschenreiter mit Martin Gashweseoma. Der Hopi-Elder war der Hüter der Feuerclan-Steintafel und der Sprecher der Hopi-Delegation, die am 22. November 1993 im Rahmen der UN-Konferenz „Cry of the Earth“ („Aufschrei der Erde“) in New York zu Wort gekommen ist. Foto: A.B.

Buchautor Alexander Buschenreiter am Weg der Hopi

von Hans Bogenreiter

Zwar führte der Reiter im Nachnamen einige Male zu Verwechslungen, aber meine über dreißig Jahre währende Verbindung mit Alexander Buschenreiter besteht in erster Linie im Austausch und in Zusammenarbeit über Anliegen von indigenen Völkern. Darüber hinaus eint uns auch die Fertigkeit des Sensenmähens und eine mehrmalige Neuorientierung im Leben. Ein Kuraufenthalt des Autors in Bad Mitterndorf-Heilbrunn im steirischen Salzkammergut führte mich im Frühjahr 2019 zu einem Wiedersehen mit Alexander, der dort seit vielen Jahren praktisch um die Ecke lebt. Seit rund 40 Jahren pflegt Alexander Buschenreiter einen solidarischen Austausch mit Angehörigen von First Nations, also Ethnien, die schon lange dort lebten, bevor europäische Abenteurer den Kontinent „entdeckten“. Diese Kontakte brachten eine große Wende im Bewusstsein des vierfachen Vaters mit sich: „Die Begegnung mit den Hopi- Indianern hat mein Leben maßgeblich beeinflusst und verändert, mich bestärkt, den Weg des Herzens und der Verantwortung für das Leben zu gehen“.

Von der Wiener Gstättn zum ORF

Im Sommer 1945 in Wien geboren, ist Alexander Buschenreiter durchaus noch als Kriegskind zu sehen. Seine mit ihm schwangere Mutter erlebte die letzten Kriegstage oft voller Angst in Wiener Luftschutzkellern und im Flakturm-Bunker im Augarten. Er entstammt einer armen Wiener Arbeiterfamilie, seine Mutter musste ihren erlernten Beruf als Schneiderin wegen Augenproblemen schon früh aufgeben, fand eine Zeit lang eine Tätigkeit als Hilfsarbeiterin, sein Vater verdiente als Friseur ebenfalls wenig.

Seine Kindheit sieht Alexander im Rückblick jedoch als sehr bereichernd und geborgen. Vor allem das Aufwachsen in einer grünen Idylle der Großstadt, die nun schon in Vergessenheit geraten ist und für die heutige Stadtbevölkerung anachronistisch wirkt. Dort, wo sich heute im 20. Bezirk ein riesiger, asphaltierter Busabstellplatz befindet, stand im Hinterhof eines Landgasthofs die Baracke und ein kleiner Wohnwagen der Familie, ohne Wasser- und Stromanschluss. Die Siedlung mit weiteren Wohnwagen und einem kleinen Wohngebäude grenzte an einen Bahndamm der Nordwestbahn, eine Wiesen- und Buschgstättn und einen Privatgarten mit Obstbäumen. Katzen, Hunde und Hendln liefen frei herum; die Kinder, die dort aufwuchsen, hatten ideale Spielmöglichkeiten im Freien.

 

Alexander (links) mit Cousin Erwin, Familienbaracke, Fotos: A.B. privat

Auch der Musiker und Schriftsteller Martin Kubaczek, der im Überschwemmungsgebiet der Donau in Jedlesee aufwuchs, bezeichnete das Gebiet als Wildnis. Ein ideales, prärieähnliches Gelände für Heranwachsende zum Indianerspielen? Es mag erstaunen, aber der junge Alexander hatte damit überhaupt nichts am Hut. Auch Karl May, mit dessen erfundenen Geschichten so viele spätere Indianerfreaks aufgewachsen waren, hatte er nie gelesen. Eines seiner Lieblingsbücher war „RIKKI. Die abenteuerliche Geschichte einer kleinen Maus“ von E.B. White, das ihm seine Eltern zu Weihnachten 1951 geschenkt hatten. Angeregt durch die nahe Autowerkstatt von Studebaker interessierte sich Alexander schon früh für Autos und Technik. Mit 12 Jahren baute er seinen ersten Detektorempfänger, um vor allem nachts Radio auf Mittelwelle zu hören. Geborgen in einem liebevollen, weltoffenen Elternhaus, das mit seiner Naturverbundenheit sein positives Weltbild ebenso wie die Schwester seiner Mutter und ein Jugendkaplan prägte, war er der Religion der Nächstenliebe verbunden.

Alexander (links vorne) mit Eltern, Cousine & Cousin, Tante Hedi (links) und Hund Prinz, Foto: A.B. pr.

Nach der Übersiedelung in eine Hausmeisterwohnung in Oberdöbling begann er eine kaufmännische Lehre im Radio- und Fernseheinzelhandel der Firma Veritas Film und Ton in der Wiener Innenstadt und schloss sich der katholischen Arbeiterjugend an. In der Reparaturwerkstatt des Unternehmens (das es in Linz noch immer als Verlag und Buchhandlung gibt), lernte er ebenso dazu wie im firmeneigenen Tonstudio, wo er sozusagen nebenbei zum Tontechniker heranwuchs und allmählich die Produktion der Ärztlichen Tonbandzeitung übernahm. Im Zuge der rasanten Entwicklung der Medienwelt ist diese damalige Neuerung mittlerweile fast völlig in Vergessenheit geraten. Für Alexander bedeutete sie aber den Beginn seiner Begeisterung für das Medium Tonband und Schallplatte zur Tonaufzeichnung und -wiedergabe, nachdem er bereits ausdauernder Radiohörer war.

Alex ist noch immer Tontechniker…Foto: Jaqueline Korber

Schon vor dem Lehrabschluss hatte sich Alexander aufgrund prägender Erlebnisse entschlossen, katholischer Priester zu werden: Er trat nach bestandener Lehrabschlussprüfung in Horn in das Canisusheim für Spätberufene ein und besuchte dort das Aufbaugymnasium. Nach bestandener Matura wurde er Novize im Orden des hl. Franz von Sales. Nach dem Noviziat begann er sein Studium an der Katholischen Universität und der Pädagogischen Hochschule in Eichstätt in Oberbayern. Ihm gefielen die spirituellen Erkenntnisse des Ordensgründers und das Zusammenleben der Patres und Brüder: Christsein im Alltag heißt Tugenden wie Demut, Sanftmut, Geduld, Herzlichkeit, Optimismus pflegen und sich um seine Mitmenschen kümmern. Franz von Sales orientierte sich an den biblischen Worten von den lebendigen Dingen der Welt, sie sollen Früchte tragen, ein jedes nach seiner Art (Gen 1,11). Jeder ist dazu berufen, seine Frucht zu bringen. Alexander widmete sich dabei der sozialen Frage, speziell der Jugendsoziologie und blieb im Rahmen des Ordens in der Jugendarbeit aktiv. Dabei schlichen sich aber auch erste Zweifel ein, als die Öffnung der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil wieder rückgängig gemacht wurde. Er stand dabei in intensivem Austausch mit einem Mitbruder der Franziskaner und einer Nonne, die ebenfalls in Eichstätt studierten. Sie lehnten vor allem die vermeintliche biblische Anweisung „Macht euch die Erde untertan“ und die wieder erstarkende konservative Praxis der katholischen Kirche ab und stießen dabei auch auf die ursprüngliche Bedeutung dieses Satzes im Hebräischen: „Stelle beide Füße auf die Erde und richte dich auf.“ Letzten Endes führte diese Entdeckung – in ihren Augen ein Übersetzungsfehler, der die Kirche und damit auch einen Gutteil der Menschheit eine falsche und fatale Richtung einschlagen ließ – bei Alexander zum Entschluss, den Orden zu verlassen und später auch aus der Kirche auszutreten. Aktueller Querverweis: Während Papst Franziskus mehrmals vehement die Ausbeutung und Zerstörung der Schöpfung beklagte, feiert Brasilien mit dem Abfackeln großer Regenwälder gerade eine fatale, feurige Wiedergeburt der umstrittenen Aussage in der „Heiligen Schrift“. Aus der Sicht der evangelikalen Kirchen ist Franziskus links. Er will mit seiner Umweltenzyklika die Erde nicht mehr antasten, kritisiert die brasilianische Frauenministerin und Pastorin Damares Alves, dabei stünde doch in der Bibel: „Macht Euch die Erde untertan.“ (Quelle: Artikel „Bolsonaros religiöse Vorarbeiterin“ in Wiener Zeitung, 18.8.2019).

Alexander störte Vieles, was aus der Lehre Jesu in den kirchlichen Institutionen gemacht worden war. Sein Abschied wurde jedoch von den Ordensoberen nach einem abschließenden Gespräch voll und ganz akzeptiert. Am Weg des Herzens, der Anteilnahme, am sozialen Gedankengut wollte er sich weiter orientieren und so trat er in München der katholischen „Integrierten Gemeinde“ bei, die in mehreren Wohngemeinschaften zusammenlebte und sich an einer modernen Auslegung der Hl. Schriften orientierte. Er setzte sein Studium der Soziologie fort und arbeitete abends und nachts als Tonassistent für Schallplattenaufnahmen in den zwei größten Münchner Tonstudios (u.a. für Klaus Doldinger, Georgio Moroder und Mary Roos sowie Playbacks für TV-Produktionen wie „Der Goldene Schuss“ mit Vico Torriani und Marika Rökk). Schließlich brach er das Studium ab, arbeitete als Verkäufer im Radiogroßhandel und zuletzt als Einkäufer und Lagerverwalter in einer der Fabriken von Mitgliedern der Integrierten Gemeinde. Für eine davon im Allgäu erhielt Alexander das Angebot, die Geschäftsführung zu übernehmen. Nach langem inneren Kampf lehnte er ab, da er ein Lehramtsstudium aufnehmen wollte, um wieder mit Jugendlichen arbeiten zu können. Daraufhin wurde er aus der Gemeinde ausgeschlossen. Alexander ging zurück nach Österreich und studierte in Salzburg für das Volks- und Hauptschullehramt, daneben Politik- und Kommunikationswissenschaften, schloss mit den Lehramtsprüfungen ab und unterrichtete ein Jahr in Bürmoos an der Hauptschule in Deutsch, Geschichte und Geografie, dann drei Jahre lang in Grödig, dazu im Polytechnischen Lehrgang. Einer seiner Schüler dort war Harald Krassnitzer, dem, so der nunmehrige Schauspieler, Alexander die Schulangst genommen und Krassnitzer inspiriert hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Parallel zum Studium und zur Pädagogik arbeitete er weiter als Tontechniker beim ORF, u.a. für TV-Reportagen über die Salzburger Festspiele und begann selber Interviews für eine Schulfunksendung von Herbert Lenobel (u.a. Sprecher von „Das Traummännlein ist da“) nach Wien zu schicken. Er schrieb für die Arbeiterzeitung und den Kurier über Jugend- und Bildungsthemen und übersiedelte 1977 nach Wien, nicht ohne sich schwerzen Herzens von den SchülerInnen seiner beiden Klassen zu verabschieden. Der Grund: Der ORF hatte völlig überraschend bereits ab Herbst sein Konzept einer neuen Sendereihe namens „Schulreport“ angenommen, zu der später noch das „Elterngespräch“ kam. Alexander begann auch in der Ö3-Musicbox u.a. mit Wolfgang Fellner zu moderieren und Beiträge zu gestalten, bald auch in Ö1 für die Wissenschaftsredaktion und in der TV- Jugendsendung Ohne Maulkorb und der TV-Familiensendung WIR. Schließlich entwickelte er mit Kollegen das Konzept eines neuen TV-Jugendformats für den ORF, das mit ihm als erstem Chef vom Dienst unter Peter Hofbauer mit Vera Russwurm zum wöchentlichen OKAY wurde. Über ein Jahr später kündigte er aber: Er stieg aus dem Hamsterrad aus und wollte neben einer seiner Radioreihen eine kreative Pause machen, nur mehr freiberuflich tätig sein, bereit für neue Herausforderungen, wobei zusammen mit einer Entwicklungshelferin eine Sendereihe über die Mayas geplant war. Es kam aber anders.

Wie das Leben so spielt…

Die Hinwendung Alexanders zu den nordamerikanischen Indianern war einem reinen Zufall geschuldet. Eine Abiturientin aus dem Allgäu, die ihm in seiner Schaffenspause 1980 am Mondsee über den Weg lief, berichtete ihm über deren Situation und Lebensweise. Er begann Literatur über die First Nations wie ein Schwamm aufzusaugen und stieß darunter auf einen Artikel über die Hopi in Arizona: „Da sah ich Parallelen zur christlichen Urgemeinde, die mich schon immer fasziniert hat und ich wollte herausfinden, wie es den Hopi heute geht und ob sie eine Botschaft an uns haben.“ Es folgte eine intensive Vorbereitung und 1981 der erste Flug in die USA. Gebrieft mit guten Tipps des bayerischen Indianerexperten Claus Biegert besuchte Alexander zunächst die Mohawks im Nordosten, dann die Hopi im Südwesten. In Santa Fe in New Mexico traf er auch den österreichisch-ungarischen Karikaturisten und Publizisten Richard Erdoes, der sich für indianische Rechte und Spiritualität einsetzte und eng mit den Lakota zusammenarbeitete. Alexander wurde von ihm bestärkt, einen ähnlichen Weg zu gehen. Nach seiner Rückkehr nach Wien vermittelt er Claus Biegert zur Radiosendung Von Tag zu Tag und organisiert einen Diavortrag von ihm. An diesem Abend entsteht die Arbeitsgruppe Indianer Heute, aus der sich auch die österreichische Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker und später der Arbeitskreis Indianer Nordamerikas formierte. Alexander, seine Frau Angela und deren Freunde Mathias Neitsch, Roman Schweidlenka und Wolfgang Rehor wollten sich aber auf die Anliegen der Hopi und die Konsequenzen für uns daraus konzentrieren und gingen mit dem Arbeitskreis Hopi einen eigenen Weg, der sie schließlich auf einen unbewohnten, kleinen Bauernhof im steirischen Salzkammergut führte.

Der Grimming, Hausberg in Alexanders neuer Heimat, Foto: A.B.

Es folgen zahlreiche Diavorträge Alexanders über die Hopi im deutschsprachigen In- und Ausland, zwei ORF- und RAI-Hörfunkserien, drei Bücher, Artikel im Kurier, der Kronenzeitung und in Magazinen. Parallel dazu organisiert und betreut der Arbeitskreis Vortragstourneen des Sprechers der Hopi in Österreich und Bratislava, vermittelt in die Schweiz und nach Deutschland, verfasst Petitionen für einen Auftritt der Hopi in der UNO- Generalversammlung und stellt Kontakte zu Politikern her. Auf diese Weise gelang es Alexander Buschenreiter aufzuzeigen, dass uns mit den Indigenen Nordamerikas immer stärker die gemeinsame Sorge um den Fortbestand der Erde und ihrer Lebewesen verbindet. Die folgende Aussage steht mit Bedacht am Schluss: „Die Begegnung mit den Hopi-Indianern hat mein Leben verändert und mich bestärkt, den Weg des Herzens und der Verantwortung für das Leben zu gehen. Die Friedensbotschaft der Hopi, ihre Warnungen und Appelle zum Erhalt des Lebens sind aktueller denn je.“

Mit dem Hopi-Sprecher Thomas Banyacya Sr. (1909-1999) tauschte sich Alexander Buschenreiter über viele Jahre hinweg aus. Er erzählte ihm 1981 die autorisierte Fassung der Botschaft der Hopi, die Buschenreiter im Buch “Unser Ende ist euer Untergang” veröffentlichte. Als er 2011 zum siebenten Male die Hopi besuchte (Bericht auf www.solidarische-abenteuer.at) wurde er von Sandstürmen empfangen, wohl auch eine Folge von Klimaänderungen. Fotos: A.B.

Hopi: Der Weg des Herzens

Die wahren Hopi behüten das heilige Wissen über den Zustand der Erde, denn die wahren Hopi wissen, dass die Erde eine lebende / sich entwickelnde Person ist / und dass alle Dinge darauf ihre Kinder sind.                                                                                            Aus der Friedenserklärung der Hopi

UNSER ENDE IST EUER UNTERGANG
Die Botschaft der Hopi an die Welt, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Authal Verlag 2018, Autor: Alexander Buschenreiter, 328 Seiten, Softcover mit Flappen, s/w Abbildungen, Grafiken, € 15,40 ISBN 978-3-9504211-3-2

1948, Arizona, USA: Erstmals kommen die Elders aller Dörfer der Hopi-Indianer zusammen, um angesichts bedrohlicher Entwicklungen ihre prophetischen Anweisungen und Warnungen auszutauschen und über deren Folgen zu beraten. Es ist die Geburtsstunde der Wiederbelebung indianischer Identität und einer Bewegung zum Schutz von Land und Leben, die mithilfe der Irokesen seit den späten 60ern über die Hippies, Medien und Alternativbewegungen auch Nichtindianer weltweit erfasst. Und die Bewegung lebt: Heute, über 70 Jahre später, in Form von Protestcamps und Initiativen, die sich gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen richten – und überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander und ihren Lebensraum übernehmen.
Am Beispiel der Hopi (die als „Volk des Friedens“ gelten und vom 14. Dalai Lama als „die wahren Hüter des Gleichgewichts der Erde“ bezeichnet werden), der Mohawks, der Lakota und des Indianischen Ältestenrats vermittelt dieses Buch das Grundmuster einer lebensbejahenden, spirituell-ökologisch orientierten Lebensweise, die auch „Die indianische Alternative“ genannt wird. Sprecher der Hopi, der Lakota-Vertraute Richard Erdoes, Vertreter der Irokesen, des Indian Law Resource Center, der Medizinmann Phillip Deere und der Indianische Ältestenrat kommen ausführlich zu Wort.

Karin Halbritter (Verlagsinhaberin von Authal) und Alexander Buschenreiter präsentieren die Neuausgabe des Bestsellers „Unser Ende ist euer Untergang“ im März 2018. Foto: A.B. privat

35 Jahre nach der Erstausgabe sind die Warnungen der Hopi traurige Realität geworden: Ein nahender Klimakollaps, nukleare Katastrophen und die fortschreitende Verseuchung und Vernichtung unserer Lebensgrundlagen zeichnen diese Jahrzehnte im Anthropozän (Zeitalter des Menschen) aus. Die aktualisierte und erweiterte Neuausgabe warnt eindringlich davor, diesem Irrweg weiter zu folgen, zeigt aber auch sehr anschaulich einen hoffnungsvollen Weg des Herzens und des Friedens. Nach der mündlichen Überlieferung der Hopi beginnt in naher Zukunft das fünfte Zeitalter, da Prophezeiungen zum Ende der vierten Welt bereits eingetreten sind: mit dem „Kürbis voll Asche“ wurde die Atombombe gedeutet, „das Haus aus Glas“, wo sich die Völker treffen als das UN-Gebäude in New York und die ISS-Raumstation als „das Haus am Himmel“. Laut ihren Überlieferungen kommt es zu einer Zeit großer Umwälzungen, wenn die Menschheit ihren raubbauenden, zerstörerischen Kurs beibehält. Nur Menschen, die es nicht verlernt haben, mit der Natur zu leben, würden überleben. Mehrfache Versuche der Hopi, im Weißen Haus vorzusprechen und vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen ihr Wissen weltweit zu teilen wurden ignoriert. Der Auftrag, mit der westlichen Kultur in Dialog zu treten, ist ebenfalls Teil ihrer Überlieferung.

„Die Indianer haben das prophezeit – das Kommen einer Zeit des Zusammenbruchs des Westens … Die Zukunft – auf lange Sicht gesehen – sieht sehr erschreckend aus …Es ist nicht unmöglich, dass Leute leiden werden, weil die Sozialprogramme scheitern, weil die Wirtschaftsprogramme scheitern, weil vielleicht das ganze Wirtschaftssystem scheitert. Und eine Alternative dazu, die einzige Alternative, die jemals von Menschen erfolgreich durchgeführt wurde, ist, dass Gesellschaften geschaffen werden, die viel weniger Energie, viel weniger von allen Dingen verbrauchen.
Aber sie müssen auf einer Reihe von Glaubenshaltungen und Voraussetzungen gegründet werden, auf menschliche Gemeinschaften, die nur mit dem indianischen Begriff von Spiritualität definiert werden können …
Wir sprechen hier nicht über das Christentum des 4. oder des 5. Jahrhunderts.Wir sprechen nicht über ein System, das Feudalismus oder Kapitalismus aufrecht erhält, wie wir es kennen. Wir sprechen über einen Weg für Menschen, in Verwandtschaft mit der Natur, dem Land und in gegenseitiger Verwandtschaft miteinander zu leben …
Wenn man die Indianer über eine spirituelle Beziehung sprechen hört, dann meinen sie nicht, in die Kirche zu gehen, niederzuknien und zu beten, sondern sie reden davon, eine echte Beziehung zur Nahrung, die sie essen, zu haben, zum Wasser, das sie trinken, und zum Haus, in dem sie leben, zu den Leuten um sie herum.
Sie sprechen von einer sozialen Struktur. … Der spirituelle Weg der Hopi ist eine Gesellschaftsform, nicht ein gedanklicher Zustand; er ist gesellschaftliche Realität. Sie sagen: `Wir müssen zum Weg der Spirits zurückkehren.“
Aus: Alexander Buschenreiter, “Unser Ende ist euer Untergang. Die Botschaft der Hopi an die Welt”, Authal 2018

Weitere Bücher von Alexander Buschenreiter (antiquarisch und in Bibliotheken verfügbar): „MIT DER ERDE – FÜR DAS LEBEN. Der Hopi-Weg der Hoffnung“, Verlag Hermann Bauer„SPUREN DES GROßEN GEISTES. Indianische Weisheit der Gegenwart“, Lamuv-Verlag

Alexanders vielseitiges & kreatives Leben

Der gegenüber Menschen, die sich in anderen Kontinenten, für andere Völker engagieren, manchmal geäußerte Vorwurf, sie würden damit zu wenig für ihr eigenes, heimatliches Umfeld tun, geht bei Alexander mitsamt seiner Familie völlig ins Leere. Er war 1995 mit seiner Frau Angela Initiator und engagierter Mitarbeiter vom Jugendkulturprojekt MOVE!, das sich von 2001 – 2015 zu iMPULS Aussee/BÜHNE Authentic weiter entwickelte.

Bei der Präsentation des Buches „Unser Ende ist euer Untergang“ am 10. Mai 2019 in Bad Mitterndorf begeisterten Alexanders Tochter Ronja (Gesang) und Schwiegersohn Pavel (Violine, Mandoline) mit wunderschönen Interpretationen indianischer Musik. Foto: H.B.

Durch Landesförderungen konnte unter der Projektleitung von Angela Buschenreiter und der Geschäftsführung und Mitarbeit von Alexander ein umfassendes Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene umgesetzt werden: mobile Beratung, Workshops und 18 Bühnenproduktionen mit Hip Hop und Breakdance-Choreos, teils mit kabarettartigen, gesellschaftskritischen Szenen, immer mit Gesang und Musik. Dank einer finanziellen Unterstützung durch die Stadtgemeinde Bad Aussee war es möglich, zentral gelegene Räume anzumieten und durch zusätzliche Fördergelder vom Sozialhilfeverband Liezen konnte die Tätigkeit auf das steirische Salzkammergut und das Ennstal im Bezirk Liezen erweitert werden.

Die bereits legendären Shows von iMPULS Aussee begeisterten nicht nur im Kurhaus Bad Aussee, im CCW Stainach und im Kulturhaus Liezen, sondern auch im Rockhouse Salzburg, im Theater Akzent und im OFF-Theater in Wien. „Wir danken allen, die an uns geglaubt und uns in diesen zwanzig Jahren unterstützt haben. Insbesondere danken wir den jungen Menschen, die uns ihr Vertrauen geschenkt und mit uns zusammengearbeitet haben. Wir
wünschen ihnen, dass sie ihre Kreativität erhalten und – so wie wir selber – etwas aus dieser gemeinsamen Zeit für ihr weiteres Leben mitnehmen“, formulierte Angela Buschenreiter für das Team von iMPULS Aussee gegenüber der Wochenzeitung meinbezirk.at.
Die Familie Buschenreiter beteiligte sich auch am Aufbau eines Bienen-Schaugartens und organisierte jährliche Bienenfeste in Bad Mitterndorf. Sie engagiert sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt, die auch in dieser noch weitgehend intakt erscheinenden Gebirgsregion bereits stark gefährdet ist. 2016 gründen beide mit überwiegend langjährigen Mitwirkenden in Produktionen von iMPULS Aussee/BÜHNE Authentic das Ensemble „die butterlosen brote – mehr als theater“ zur Einstudierung von bisher zwei neuen Bühnenstücken von Angela Buschenreiter, die u.a. im CCW Stainach und im Souterraintheater des Café Prückel in Wien aufgeführt wurden.

Kontakt und Infos, auch über die Hopi, andere Indigene und Buschenreiters Publikationen auf der Website http://www.impuls-aussee.at. Schlussbemerkung des Autors: Dank Alexanders Nachbearbeitung ist nun der vorliegende Text auch als (autorisierte) Biografie anzusehen.

Wiederholt hat Alexander den Besuch von indianischen Persönlichkeiten in Österreich ermöglicht. So war er auch an der Organisation der Veranstaltung mit Tom Porter (am Plakat mit seinem Sohn Aroniennens) beteiligt. Tom Porter ist Mitglied des Bärenclans der Mohawk-Nation von Akwesasne im Norden des Bundesstaates New York. Die Mohawks sind die heute größte Nation der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), meist Irokesen genannt.

Fragen & Antworten

HB: Was auffällt, die Lebensweisen der First Nations gründen sich auf den Respekt vor dem Leben und der Natur. Frauen sind da führend vertreten, wie z.B. Mary und Carrie Dann, Janet McCloud, Winona LaDuke). Bei den Hopi treten aber Frauen nach außen kaum in Erscheinung. Worauf gründet sich diese Haltung?

AB: Ich kann es mir nur so erklären, dass bei den Hopi die Männer für die Zeremonien und im Rahmen dessen auch für die Weitergabe der mündlichen Tradition verantwortlich sind und deshalb auch nach außen aktiver als die Frauen. Die Frauen verfügen über das Land und das Haus und haben dadurch eine andere, ausgleichende Position. Unterschiede gibt es allerdings, wenn eine Frau zur Kikmongwi wird, wie Mina Lansa in den 1960er/70ern. Dann tritt sie auch als Frau nach außen auf. Außerdem sind die Frauen im Herbst mit dem „Korbtanz“ öffentlich präsent, nehmen im Sommer an der „Heimkehrzeremonie“ und dem „Schmetterlingstanz“ teil. In Krisenzeiten haben sich allerdings auch Elders wie Carolyn Tawangiouma aus Hotevilla und andere öffentlich zu Wort gemeldet.

HB: Gibt es nun auch Covid 19-Erkrankungen bei den Hopi und anderen First Nations?

AB: Leider ja, wobei die Navajo als größte und die Hopi umschließende indianische Nation am .meisten davon betroffen sind. So waren z.B. am 7. Mai 2020 2757 Navajo positiv getestet und 88 an Covid-19 verstorben, bei den Hopi 52 positiv und 4 verstorben. Siehe Link: https://navajotimes.com/ cocoronavirus-updates/covid-19-across-the-navajo-nation/

HB: Ich erinnere mich an die 500-Jahres-Feierlichkeiten zur sogenannten Entdeckung Amerikas, die für die dort seit vielen Jahrhunderten lebenden Menschen mit Diskriminierung, Vertreibung, Genozid und Ökozid verbunden wird. Dort ist scheinbar ein Mythos verbreitet, der besagt, alle 500 Jahre drehe sich die Welt in eine andere Richtung. Ehrlich gesagt, habe ich das damals nicht ernst genommen. Angesichts der Ereignisse seither kann ich so einer Sichtweise doch einiges abgewinnen. Was meinst Du dazu?

AB: Da ist was dran, mehr weiß ich auch nicht. Allerdings werden unsere Korrekturmöglichkeiten immer geringer. Wir sind mitten in der letzten Phase vor dem Tag der Läuterung, wie ihn die Hopi bezeichnen, davon bin ich überzeugt.

HB: Es gab ja Ende März die Nachricht, dass die kanadische Regierung auf Grund der Ansteckungsgefahren den Indigenen des Landes empfohlen hatte, sich in abgelegene Gegenden zurückzuziehen. Lakonisch sollen sie geantwortet haben: „Kein Problem, es wurde uns ohnehin prophezeit, dass wir eines Tages in unsere ursprüngliche Heimat zurückkehren würden.“ Stimmt das?

AB: Ja, das machen auch Indigene anderswo, die noch ihre Wurzeln kennen und wissen, wie man ohne den Technik-Schnickschnack unterer Industriegesellschaften überlebt, hart, aber gut.

Die Erde warnt uns – es gibt eine Alternative

Zitate von John Mohawk

Wetterveränderungen, Erdbeben, Baumsterben – die Krankheitssymptome dieses lebenden Körpers namens Erde sind eigentlich für jeden sichtbar. Doch ihr wendet euch ab, ohne zu begreifen, dass ihr zu dem kranken Körper gehört. Ihr seht und hört nicht die Botschaft der Erde, aber ihr folgt den Botschaften des Fernsehens. TV ist ein Bestandteil eurer Realität geworden. Eure Politik ignoriert die Erde. Ihr vergesst die Generationen, die nach euch kommen, und schafft euch eine Umwelt, die eurer Raumfahrt-Fantasie entspricht. Der moderne Mensch ist das Produkt der Umwelt, die er sich geschaffen hat. Sonne und Wind, Bestandteile der heute ignorierten Realität, werden in Zukunft die Lebensqualität auf eine neue Art bestimmen. Vielleicht muss unsere gegenwärtige Zivilisation, die sich auf das Verbrennen fossiler Brennstoffe stützt, erst zusammenbrechen, bevor der moderne Mensch erwachsen wird.

Auszüge aus “Botschaft an die Europäer”, aufgezeichnet von Claus Biegert, übersetzt von Frank H. Stuckert, Broschüre, herausgegeben von Incomindios Schweiz 1987 Der Schriftsteller, Philosoph, Historiker und Aktivist John Mohawk (30. August 1945 – 13.Dezember 2006) gehörte zum Turtle-Clan der Seneca im Cattaraugus Indianerreservat im westlichen Bundesstaat New York. Er absolvierte das Hartwick College 1967 mit einem Bachelor of Arts in Geschichte und promovierte zum Doktor der University of Buffalo. Er wurde Universitätsdozent für indianische Philosophie und Geschichte und widmete sich dem Aufbau einer Mais-Saatgutbank. Alexander Buschenreiter besuchte ihn und Tom Porter 1981, als John Mohawk Chefredakteur der damals bedeutendsten indianischen Zeitung, der “Akwesasne Notes” war. John Mohawk war ein bedeutender Visionär der sieben Nationen der Irokesenkonföderation. Er nahm eine außerordentlich wichtige Rolle ein bei der Gestaltung der intellektuellen Brücke der traditionellen indianischen Bewegung zur nationalen und internationalen Gemeinschaft. Die Zitate stammen aus den Jahren 1973-1984.

 

 


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Sonntag, 19. Jänner 2020, 14:40 in orf sport+

Homeless World Cup 2019: Österreich bejubelte Spitzenplatzierungen

Der Homeless World Cup 2019 fand diesmal vom 27. Juli bis 3. August im walisischen Cardiff statt. Erstmals trat auf Seiten Österreichs auch ein Frauenteam an. Letztere starteten gleich mit zwei Siegen in den Bewerb. Die Zuversicht und die Freude, die die Trainerin Emily Cancienne und vor allem die Spielerin Helia Mirzaei bereits im Vorfeld ausstrahlten, hatte also durchaus (Hand und) Fuß.

Bianka Deak (in rot) unmittelbar vor einem erfolgreichen Torabschluss im heiß umkämpften „Derby“ gegen Ungarn. Foto: Wolke.Caritas-Steiermark).

Trotz einiger Niederlagen gegen erfahrene Teams stieg die österreichische Auswahl in die Runde der letzten acht auf und erreichte schließlich den 6. Platz unter 16 teilnehmenden Nationen. Auch das Herrenteam kam erstmals seit 2012 wieder in die Endrunde. In einem dramatischen Spiel wurde das Spiel um Platz sieben gegen Südafrika mit 4:5 verloren. Trotzdem zeigten sich alle rundum zufrieden über den 8. Platz bei 44 teilnehmenden Mannschaften. So wie im Vorjahr siegte sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Bei den Finalspielen setzte sich Mexiko so wie im Vorjahr souverän durch. Sowohl bei den Herren gegen Chile als auch bei den Frauen gegen Peru konnten sie mit großer Freude den Siegespokal stemmen.

Der Schreiberling hatte bei den Soccer Sissis, beim FC Augustin und zuletzt auch bei der Wilden Liga die Erfahrung gemacht, dass sich gemischte Teams bezüglich Zusammenspiel (ohne Eigensinnigkeiten und schwere Fouls) sehr positiv auswirkten und fragte daher bei der Pressekonferenz den ehrenamtlichen Teamchef Gilbert Prilasnig, warum es keinen solchen Bewerb beim Homeless-Cup gebe. Der ehemalige National- und Sturmspieler (von seinem damaligen Trainer Ivica Osim schwärmt er noch immer) klärte ihn auf: Der Bewerb sei von Anfang an als Mixed ausgeschrieben worden, nur hätte Österreich davon nie Gebrauch gemacht, aber er erinnerte sich an ein Spiel, worauf sich seine Auswahl besonders freute, als sie bemerkte, dass bei den Gegnern eine Frau im Tor stand. Die vermeintlich leicht zu erzielenden Tore fielen jedoch nicht; vielmehr glänzte die Torfrau mit tollen Paraden und brachte damit das österreichische Team zum Verzweifeln.

Hans Bogenreiter für den Augustin (veröffentlicht im Herbst 2019)

Sofias Zeit in Cardiff!

Einen weiteren, sehr persönlichen Rückblick gewährt die Spielerin Sofia Wais. Ausgestattet mit einer Pocketkamera hat sie für goal-clickeinen Blick hinter die Kulissen gewährt. Was es für sie mit ihrem kulturellen Hintergrund überhaupt bedeutet, Fußball zu spielen, warum sie ein mexikanischer Spieler mit Narben nach schweren Brandverletzungen so beeindruckt hat und wie es war, Hollywoodstar Michael Sheen persönlich zu treffen,….dies und einiges mehr berichtet sie in ihrer Reportage auf goal click, mehr dazu unter https://bit.ly/30tGSiN

Mehr Infos: www.homelessworldcup.at MMag. Thomas Jäger, Teammanager Homeless World Cup Österreich, +43 (0)676 88015 399

 


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Die Entstehung dieses Portraits der Bildhauers Miguel Horn von Hans Bogenreiter ist wieder mal einem Zufall geschuldet. 

Die rosarote Zeitung wollte ich schon auf die Seite legen, als mir im Kulturteil ein Artikel mit dem Reizwort „Mostviertel“ ins Auge stach, zumal ich in diese Region hineingeboren wurde. Dann machte es nochmals Klick als ich erkannte, dass der Vater der vorgestellten aufstrebenden Sängerin Sigrid Horn, ein guter Bekannter von mir ist, den ich aber vor über 20 Jahren doch wieder mehr oder weniger aus den Augen verloren hatte. Unser Kennenlernen gründet sich allerdings auf sehr tragische Ereignisse Mitte der 1990er Jahre: Damals arbeitete ich bei der Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker-Österreich“ und wir versuchten die Zerstörung des Nigerdeltas in Nigeria durch exzessive Ölförderung auch in der österreichischen Öffentlichkeit bekanntzumachen, da der Hauptverantwortliche für das Umweltdesaster, der Ölkonzern Shell, ein Global Player ist. Wir schafften es sogar von Spitzenmanagern von Shell empfangen zu werden, die aber ihre Hände in Unschuld wuschen und die Verantwortung für die Hinrichtung der Galionsfigur des Widerstandes Ken Saro Wiwa und acht Mitstreitern auf das nigerianische Abacha-Regime abwälzten (siehe mehr im Anhang).

Von unserer Kampagne hatte Miguel Horn erfahren und nahm mit uns Kontakt auf. Miguel ließ sich von diesem Verbrechen an Mensch und Umwelt zu einer Installation inspirieren, die 1997 in der säkularisierten Kirche St. Peter in der Sperr in Wr. Neustadt gezeigt wurde. Zwei Jahre später unterstützte ich Miguel Horn mit Informationen für den von ihm geschaffenen Skulpturenpark „Platz der vergessenen Völker“ in Neuhofen an der Ybbs.

Im Sommer 2019 war es so weit: An einem heißen Augusttag, der im Laufe des Tages etwas gewittrig wurde, besuchte ich Miguel Horn mit der achtjährigen Sunshine, die in Österreich geboren, afrikanische Wurzeln hat. In Amstetten holte uns Miguel vom Bahnhof ab und dann machten wir uns mit seinem Auto auf dem Weg zu ausgesuchten Orten im Most- und Mühlviertel, wo Kunstwerke von Miguel öfters weit über das Land hinweg zu sehen sind. Natürlich kommt dabei auch die Donau ins Spiel, die beide Viertel trennt und als Transportweg und identitätsstiftender Fluss wieder verbindet.

Miguels Tochter hat in ihrem so berührenden Lied „Woiza“ und Video dem Strom eine andere, endgültige Bedeutung abgerungen: „Sog i bin weg…und i waas, i kumm nie wieda zruck.“ Obwohl ich rund 30 Kilometer von der Donau entfernt auswuchs, gehört die lakonische Bemerkung „Sie ist in die Donau gegangen“ zu meinen ersten Kindheitserinnerungen. Psychologische Unterstützung für verzweifelte Menschen war damals mehr oder weniger nicht bekannt.

Unser erstes Ziel: Die Gobelwarte der ÖTK-Sektion Strudengau bietet auf einer Seehöhe von 484 Metern herrliche Rundblicke. Im Norden auf das Hügelland des Mühlviertels, im Süden auf die Ostalpen. Leider ist an diesem Tag etwas diesig und so reicht der Blick nicht in die Alpen, sondern nur ins umliegende Bauernland und hinunter auf die Stadt Grein und die Donau.

Neben der höheren Warte hat Miguel Horn auf dem eigentlichen Gipfel, der aus einem mächtigen Findling besteht, das Thema Burgen und deren BewohnerInnen abgehandelt. By the way, aber heute nicht auf unserem Weg: In der Stadt Grein sind in der Galerie am Kalvarienberg in Granit gemeißelte Nachrichten zu sehen. Miguel ließ sich dabei von, ebenfalls in Granit, hinterlassenen Botschaften (Petroglyphen) vorchristlicher Kulturen inspirieren. Nachdem das Fischrestaurant am Ufer der Donau Dienstag Ruhetag hatte, aßen wir zu Mittag in Waldhausen und besuchten danach einen Badesee, der trotz sehr warmem Wetter ziemlich verwaist wirkte. Geschäftigkeit herrschte nur beim Aufbau eines großen Zeltes am Ufer. Miguel und ich hatten denselben Gedanken: Hier wird demnächst ein „Fest des Huhnes“ (Kultfilm von Walter Wippersberg) stattfinden.

Als wir die Serpentinen nach Gloxwald – eine kleine Ortschaft, die zur Gemeinde Waldhausen gehört – hinauffahren, um ein weiteres Werk von Miguel im Rahmen der Freiluft-Galerie „Kunst am Donausteig“ zu besuchen, berichtet mir Miguel, dass er kürzlich im Fernsehen einen Bericht über sündteure Kunstwerke in New York und Hongkong gesehen hatte. Diese hohe, eitle Welt, hinter der stets auch ein Marketingkonzept steht, ist nicht die seine. Er möchte mit seiner Kunst nahe an den Menschen einer Region bleiben, sie auch möglichst in den Prozess der Entstehung einbeziehen. Für mich ist die Fahrt auch eine, in eine längst vergangene Zeit: Vor ca. 40 Jahren fuhr ich mit unserer Fußballmannschaft hier herauf, niemand konnte sich vorstellen, dass in dieser bergigen und ziemlich dicht bewaldeten Landschaft ein halbwegs bespielbarer Fußballplatz vorhanden sein könnte. Da kamen wir – wohl wieder mal aufgepeitscht voller motivierender Vorurteile „die Holzhackerbuam hineinzuhauen“, sprich hoch zu besiegen1) – aus dem Staunen nicht heraus: Ein wunderbarer, ebener Platz mit einem traumhaften Rasen und auf der Bergseite ein Schatten spendender Wald wartete auf uns. Und das Staunen wiederholte sich: Das Spielfeld weist nach wie vor, im Gegensatz zu mir, keinerlei Alterserscheinungen auf.

Was wir damals auch nicht wussten, weil wir leider nur das Match im Kopf hatten: Der Ursprung der Arbeitersiedlung Gloxwald im 19. Jahrhundert beruht nicht auf Holz, sondern auf den Granitabbau.

Als wir bei einem Bauernhof einparken, deutet in dieser bergigen Landschaft, durchaus ähnlich meiner Mostviertler Heimatgemeinde, nichts darauf hin, dass wir am Weg über ein weites Feld und eine leichte Anhöhe auf einen Absturz hinsteuern. Das Naturdenkmal Predigtstuhl, eine natürliche Felskanzel im Weinsberger Granit, gipfelt auf 520 Seehöhe und fällt von dort aus steile fast 300 Meter zur Donau hinunter. Seit 2010 führt hier die Strudengauer Etappe des Donausteigs vorbei.

Auf diesem schönen Aussichtsplatz thronen seit dem Herbst 2016 Miguel Horns Felsenreiter, die auf eine Donausage Bezug nehmen: Ein Raubritter stürzt, von Kaiser Maximilians Truppen in die Enge getrieben, mitsamt seinem Pferd in den Abgrund, während Skylla und Charybdis, ursprünglich vielköpfige Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie, nun in der Donau nach allen Seiten beißen und drängen.

Der Donaufürst Poseidon und die Donau-Nymphe mahnen zur Besinnung und der Graue Mönch setzt ein Zeichen des Friedens. Von unten her beeindruckt der Aufbau des Predigtstuhls, ein Vergleich mit der gleichnamigen mächtigen Felswand im Wilden Kaiser in Tirol würde trotzdem ziemlich hinken. Als wir zum Bauernhof zurückkommen, sehen wir in einem großzügigen Gehege eine Rarität: Hühner mit stolzem Hahn. Zu unserer Überraschung sehen wir auch ein Ei am Boden liegen, im Nachhinein meint Google (nicht der Gockel), dass ein Huhn es ausbrüten möchte.

Gegenüber sind Schafe auf der Weide, sie kommen neugierig heran, als Sunshine ihnen eine Hand entgegenstreckt und etwas frisches Gras darreicht. Sie ist jedoch sehr erstaunt, als sie bemerkt, dass auch Schafe in Streit geraten können.

Ich frage Miguel, wie der Bauer das Kunstwerk angenommen hat, ob er sich eventuell gestört fühlt. Nein, es gefällt ihm und er hat sogar aus eigenem Antrieb den Parkplatz beim Hof für BesucherInnen vergrößert, berichtet er. Die Beispiele für Kunst im öffentlichen Raum, die mit den Kommunen abgestimmt oder von ihnen in Auftrag gegeben wurden, kommen im Großen und Ganzen gut an und fördern möglicherweise auch den Tourismus in der Region. Sie zeigen jedoch nur eine Seite von Miguels Schaffen, in anderen Werken prangert er Fehlentwicklungen, die Zerstörung von Natur und Kulturen an oder ruft historische Tatsachen in Erinnerung, die gerne unter den Teppich gekehrt werden würden. Diese Facetten haben bisweilen zu heftigem Widerspruch geführt. Auf der Fahrt nach Neuhofen frage ich Miguel Horn über die Hintergründe von heftigen Protesten des Kameradschaftsbundes (ÖKB) anlässlich einer Ausstellung in der Gemeinde Blindenmarkt im Jahr 1997.

Der Obmann der ÖKB-Ortsgruppe hätte sich, so erzählt Miguel, über eine Figur aus Eisen, die allgemein die Schrecken eines Krieges anklagt, fürchterlich aufgeregt. Schließlich erreichte der Obmann die Demontage der Figur, weil er gedroht hatte, der Kameradschaftsbund würde in Sichtweite dieser Figur keinen Kranz am Kriegerdenkmal niederlegen. Nun hat sie im Garten der Familie Horn einen Platz gefunden (siehe Bildmitte). Miguel erzählt dies ungerührt und ohne Groll, ihm ist bewusst, dass er mit kritischen Werken nicht alle Menschen ansprechen kann. Jedenfalls befinden wir uns nun im besonders Kernland des Mostviertels, dessen Produkt von den zahlreichen Birnbäumen Namensgeber war. Unweigerlich drängt sich die Schönheit und die Fruchtbarkeit der Landschaft auf. Auch hier bin ich öfters über den Pass des Hochkogels von meinem dahinterliegenden Heimatort in die Gegend gekommen, zu Festen, zu Fußballspielen oder ich musste meinen Vater zu einem Viehhandel auf einen Bauernhof chauffieren.

Gewitterstimmung am Platz der vergessenen Völker

 

Ein Gewitter zieht auf, dunkle Wolken und zwischendurch nun sehr intensiv wirkende Sonnenstrahlen verschaffen dem Platz der vergessenen Völker ein kontrastreiches, stimmungsvolles Ambiente. Ich erinnere mich an die Eröffnung, wo sich SchülerInnen ebenfalls sehr bunt und mit sehr kreativen Verkleidungen in andere Kulturen hineinversetzt hatten, was mein damals zweijähriger Sohn mit großen Augen beobachtete.

Beeindruckt hatte mich dabei auch die Eröffnungsrede des damaligen niederösterreichischen Landesrates Wolfgang Sobotka, der frei von der Leber weg sehr einfühlsam auf das Thema einging – so eine große Empathie ist mir in dessen späterer politischen Laufbahn eigentlich nicht mehr aufgefallen. Miguel erzählt, dass der Platz durchaus Anklang gefunden hat, einmal war ein australischer Aborigine zu Gast, der hocherfreut den Namen seiner bedrohten ethnischen Gruppe entdeckte. Aber es gab auch kritische Stimmen, für eine solche verwandelte sich der stets so ruhig und besonnen wirkende Künstler in einen Grantler und Nörgler, der sich über die in rostenden Eisenplatten eingravierten historischen Ereignisse ereifert: Das wäre ja alles nicht wahr, kompletter Unsinn und Miguel ließ eine Schimpftirade vom Stapel, die Sunshine und auch mich, verblüffte. Ich bat Miguel, diesen mit so großem Furor dargebrachten Grant für eine Videoaufnahme zu wiederholen, was er so vollbrachte, als hätte er eine Reset-Taste eingebaut. Den Besucher hatte am meisten gestört, dass Miguel der so gern erzählten Genesis von Österreich2), die hier angeblich so rein und unschuldig begann, auf die Vertreibung von Slawen fußte, also auf „ethnischer Säuberung“. Auch mir war dies nicht bekannt.

Seinen Kritiker hat er übrigens nicht zur Rede gestellt, Miguel meinte, das hätte nichts gebracht, es war offenkundig, dass dieser Mann in so einem Zustand von seiner Einstellung keinen Millimeter abgerückt wäre.

Haus & Garten voller Kunst

Zu guter Letzt kehren wir beim Haus der Familie Horn ein, wo alle ausgeflogen sind; die Kinder schon lange außer Haus und seine Frau Ilse weilte auf einem Seminar in Wien. Schon am Garagenplatz begrüßen uns jedoch große Skulpturen und im Garten sind überall Installationen und Skulpturen aus Eisen und Holz zu sehen, dazwischen suchen auf der grünen Wiese Hühner nach Futter. Ich hätte sie den Nachbarn zugeordnet, nein sagt Miguel, es sind die ihren. Die Gewitterwolken sind uns hierher gefolgt, aber plötzlich sticht die Sonne durch und taucht alles wie bestellt in ein warmes Licht, ideal zum Fotografieren. Miguel zeigt uns dann im Obergeschoß sein Atelier, voll mit seinen Werken. Das Prunkstück ist für mich eine riesige, gewundene Figur, herausgearbeitet aus einem dicken Holzstamm. Dabei setzte sich Miguel mit der atomaren Verwüstung des Bikini-Atolls auseinander.

Die Inselgruppe im Pazifischen Ozean, nach der der zweiteilige Badeanzug benannt wurde, diente den USA in den 1940er und 1950er Jahren als Schauplatz zahlreicher Kernwaffentests. Die meisten Inseln sind wegen der hohen Strahlung bis heute unbewohnbar.

Als wir auf der Terrasse gemütlich zusammensitzen und wir uns weiter unterhalten und weitere Fragen stellen, möchte Sunshine spontan auch etwas „künsteln“, Miguel gibt ihr etwas frischen Ton und im Nu formt Sunshine ein Gefäß.

Fragen & Antworten

HB: Deine Lebensgeschichte mit so vielen Stationen in sehr unterschiedlichen Ländern in Europa, Nord- und Südamerika ist mehr als erstaunlich. Welche persönlichen und künstlerischen Erfahrungen in diesen Orten haben Dich nachhaltig geprägt und gibt es einen, der da besonders hervorsticht?

MH: Hervorheben möchte ich eigentlich kein Land, es ist die Vielfalt, die mich immer in den Bann gezogen hat. Es war auch kein künstlerischer Impuls dahinter zum Globetrotter zu werden, sondern einfach die Lust an Neuem, Unbekannten und mein Interesse an den Menschen, Kulturen und Skulpturen. Neben Deutsch und Spanisch, die für mich praktisch Mutter- und Vatersprache zugleich sind, spreche ich auch Englisch, Französisch und auch etwas Italienisch. Dabei konnte ich immer auf die Unterstützung der Menschen vor Ort vertrauen, die mir geholfen haben, die jeweilige Sprache zu lernen. Mich ärgert immer, wenn nun in Österreich mit so großer Vehemenz von MigrantInnen gefordert wird, Deutsch zu lernen, aber die wenigsten bereit sind ihnen dabei zu helfen.

Deine frühe Kindheit hast Du in der südchilenischen Stadt Osorno verbracht. Ich habe beim Wort Osorno sofort den erhabenen, schneeweißen Vulkankegel vor Augen. Strahlt dieser Berg nicht nur wegen der Schönheit, sondern auch wegen der latenten Ausbruchsgefahr ein besonderes Lebensgefühl aus?

Der Osorno wird einfach als sehr schöner und markanter Berg gesehen, die Ausbruchsgefahr ist unter den Einheimischen kein Thema oder sie wird verdrängt. Der landschaftlich sehr schöne, aber auch karge, Süden Chiles vermittelt aber ein Gefühl – mit den schier unüberwindlichen Anden im Rücken – abgeschieden am Ende der Welt zu sein.

Wie hast Du und Deine Familie als „Zuagroaste“ die ersten Jahre in der neuen Heimat Mostviertel erlebt und warum seid ihr ausgerechnet dort sesshaft geworden?

Die Entscheidung für das Mostviertel war mehr oder weniger dem Zufall geschuldet. Ich habe im Zuge eines Kunstprojekts im Südosten Niederösterreichs meine zukünftige Frau kennengelernt. Als sie Ihre Ausbildung zur Hauptschullehrerin beendete, haben wir nach einem, für uns erschwinglichen, Haus gesucht und sind eben in Neuhofen an der Ybbs fündig geworden.

Du besuchst Chile, wo du groß geworden bist, häufig, erst kürzlich warst du dort wieder auf Besuch. Wenn zwei Mittelpunkte deines Lebens so weit auseinanderliegen, ist eine Entscheidung für das Eine oder Andere wohl besonders schwer.

Das hat sich für mich im Lauf der Zeit relativiert. Heimweh nach Chile verspüre ich nicht mehr, aber ich fühle mich mit den Menschen dort noch immer verbunden. Es leben ja noch drei Brüder dort, einer ist Priester, einer hat die Solartechnologie ins Land gebracht und der dritte ist Chemiker. Hier in Österreich fühle ich mich nun mehr zuhause, ich verstehe mich aber in erster Linie als Weltbürger.

Die Suche Miguels nach Harmonie im Leben kommt besonders gut in seiner Skulptur „Togetherness“ (Abb. nebenan) zum Ausdruck.

Auf persönlicher Ebene wird es für Dich und Deine Frau wohl eine Freude sein, künstlerische Kreativität weitervererbt zu haben.

Meine Frau und ich haben beiden keinen Druck über die Gestaltung des Lebensweges unserer Kinder auferlegt. Sigrid ist auf einem guten Weg, den sie unbeirrt geht.

Bei Sigrids Liedern ist mir aufgefallen, wie vielschichtig und tiefschürfend sie sich mit der Region und seinen Menschen auseinandersetzt.

Sie wurde ja im Mostviertel geboren und hat von Anfang an vieles aufgeschnappt und es dann in ihren Liedern verarbeitet.

Anmerkung: 15jährig widmete Sigrid ihr erstes Lied Ken Saro Wiwa. Sie hatte seine Hinrichtung mitbekommen, als ihre Eltern darüber gesprochen hatten (siehe Portrait über Sigrid Horn in Augustin Nr. 467/Okt. 2018 unter dem Titel „Weil ma si olle söwa gspian“).

Zuletzt zeigt Sunshine ihr journalistisches Talent und stellt zwei Fragen, die ich schon längst stellen hätte können bzw. sogar müssen.

Miguel, eine Frage: Wie bist du dazu gekommen, Kunst zu machen?

Das ist eine sehr gute Frage. Als ich klein war, war mein ein Jahr älterer Bruder mein bester Freund und Spielgefährte. Er musste dann aber weg in ein Internat. So fühlte ich irgendwie alleingelassen. Aus Langeweile ging ich ins Atelier meines Vaters, der auch Bildhauer war. Er arbeitete gerade an einem Relief von einer jungen Frau. So was wollte ich auch probieren. Mein Vater gab mir dann die entsprechenden Materialien und Werkzeug. Als mein Bruder dann aus dem Internat nach Hause kam, konnte ich ihn auch gleich dafür begeistern. Er wurde später Chemiker, wo auch Kreativität auch gefragt ist.

Miguel, warum machst du so gerne Kunst?

Das Schöne dabei ist, dass ich mit meiner Kunst weit über die Sprache hinaus mit anderen Menschen kommunizieren kann. Das funktioniert immer, selbst wenn es mir schlecht geht oder ich keine Lust habe. Wenn Menschen meine Kunst sehen, gebe ich ihnen (auch in meiner Abwesenheit) die Möglichkeit sich davon inspirieren zu lassen. Ich arbeite außerdem mit sehr beständigen Materialien, so kann auch mit nachfolgenden Generationen kommunizieren, wenn ich schon längst tot bin.

Leben und Werk eines kosmopolitischen Künstlers

Miguel Horn wurde als sechstes Kind des Bildhauers Peter Horn und der Malerin Josefine Horn-Feja 1949 in Passau geboren und wuchs ab 1950 in Chile auf, wo sein Vater bereits vor dem Krieg eine Existenz in Osorno aufgebaut hatte. Wegen Heimwehs von Josefine kehrte die Familie ausgerechnet im Jahr 1939 heim, ohne zu ahnen, dass Hitler bereits Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg getroffen hatte, Peter wurde umgehend eingezogen. Nach dem Krieg lebte die Familie vorerst in Passau, wo auch Miguel geboren wurde und dann im Innviertel, der Vater von Miguel versuchte mit vor allem mit Freskenmalerei ein Auslangen zu finden. In dieser Zeit war er auch mit dem Zeichner Alfred Kubin befreundet. Aber Anfang der 1950er Jahre kehrte die Familie wieder nach Chile zurück. Während seiner Lehrjahre bei seinem Vater absolvierte Miguel die Mittelschule und schloss diese 1966 mit der Reifeprüfung ab. 1969 starb sein Vater. 1982 heiratete er Ilse. Seine Kinder David, Katharina und Sigrid kamen 1983, 1987 und 1990 zur Welt. 1987 begann er eine Lehrtätigkeit in der Hauptschule Neuhofen an der Ybbs. 1991 unternahm er mit seiner Familie eine einjährige Reise nach Chile und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Kosmopolit verbrachte Studien- und Arbeitsperioden in Italien, USA, Frankreich, Mexiko und Brasilien und seit 1981 hat er im Dachgeschoss seines Hauses in Neuhofen ein Atelier eingerichtet. Seine Werke waren in zahlreichen Einzelausstellungen unter anderem in Italien, Mexiko, USA, Frankreich, Brasilien, Kroatien und Österreich sowie anlässlich der Beteiligung an zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen zu sehen.

Thematisch sind Horns Skulpturen zu Holz, Stein und Metall erstarrte Gedankengänge. Mit seinen Arbeiten nimmt er zu den negativen Auswirkungen unseres Wohlstands Stellung: Verlust der Individualität, Zurückdrängung indigener Völker, Zerstörung letzter Naturreservate, um nur einige zu nennen. Seine ersten Werke entstanden 1963. In dieser Zeit lernte er auch seinen großen Förderer kennen: Heribert Reitböck, emeritierter Professor für Physik, Angewandte Physik/Neurophysik/Gehirn-forschung an der Universität Marburg, der zahlreiche Werke Horns besitzt. Schon eine Auswahl von herausragenden Werke von Miguel Horn würde hier den Rahmen sprengen, ergo sei auf die Website www.miguel-horn.com und den Bildband von Leo Lugmayr: Miguel Horn: Mensch – Weltbürger – Künstler (Hg.: Peter Lisec Ges.m.b.H.) verwiesen.

Kurzer Abriss über die Ermordung Ken Saro-Wiwa und den Konflikt im Niger-Delta

Der nigerianische Bürgerrechtler, Schriftsteller und Fernsehproduzent Ken Saro-Wiwa (* 10. Oktober 1941 in Bori; † 10. November 1995 in Port Harcourt) gründete das Movement for the Survival of the Ogoni People (MOSOP). Am 31. Oktober 1995 wurde er in einem Schauprozess mit acht weiteren Bürgerrechtlern zum Tode verurteilt und zehn Tage später hingerichtet. Saro-Wiwa wurde während seiner Zeit in MOSOP mehrmals durch die nigerianische Militärregierung verhaftet und ohne einen Prozess oft monatelang festgehalten. Im Mai 1994 schließlich wurden er und acht weitere Mitglieder von MOSOP ein weiteres Mal verhaftet, diesmal mit der Begründung, sie hätten Anstiftung zum Mord begangen, infolgedessen vier Mitglieder der Stammesältesten der Ogoni den Tod fanden. Nach über einem Jahr Haft kam es zu einem spektakulären Schauprozess vor einem eigens einberufenen Tribunal. Der Prozess war dermaßen stark inszeniert, dass fast alle Verteidiger ihr Mandat aus Protest niederlegten, was zur Folge hatte, dass die Angeklagten sich selbst verteidigen mussten. Im Verlauf des Prozesses wurden von der Anklage Zeugen aufgerufen, die die Schuld der Angeklagten bestätigten. Später gaben viele dieser angeblichen Zeugen offen zu, von der nigerianischen Regierung bestochen worden zu sein. Die Verurteilung Saro-Wiwas und seiner acht Mitstreiter zum Tode wurde von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert. Während seiner Haft wurden Saro-Wiwa der Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis, 1994) sowie der Goldman Environmental Prize (1995) verliehen. Der Schauprozess erregte internationales Aufsehen, und kaum jemand rechnete damit, dass das Urteil unter den Augen der Weltöffentlichkeit tatsächlich vollstreckt werden würde. Dennoch wurden Saro-Wiwa und die acht übrigen Angeklagten am 10. November 1995 gehängt. Er wurde auf dem Port Harcourt Cemetery bestattet.

Marterl für Ken Saro Wiwa im Garten der Familie Horn

Die Hinrichtung der Angeklagten löste international heftige Proteste aus. Nigeria wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen (und 1999 wiederaufgenommen). Mehrere Länder zogen wirtschaftliche Sanktionen in Betracht.

„Ob ich lebe oder sterbe, ist unerheblich. Es reicht mir zu wissen, dass Menschen Zeit, Geld und Energie einsetzen, um gegen ein Übel unter vielen anzukämpfen. Wenn sie heute keinen Erfolg haben, so werden sie morgen erfolgreich sein. Wir müssen weiterkämpfen, damit die Erde ein besserer Ort für die Menschheit wird. Und jeder kann seinen Teil dazu beitragen.”

Ken Saro-Wiwa in einem Offenen Brief, der vor seiner Hinrichtung am 10.11.1995 aus dem Gefängnis geschmuggelt wurde. Foto unten: Miguel Horns Installation über die Zerstörung des Lebensraumes der Ogoni durch die Ölförderung

„Seit vierzehn Jahren leben wir in Erinnerung an unseren Vater, der für ein Verbrechen hingerichtet wurde, das er nicht begangen hat. Jeden Tag erinnert uns etwas daran. Es schmerzt in so einem ungeheuerlichen Unrecht zu leben. Es ist eine große Genugtuung, dass unser Fall vor Gericht kommt. Es macht einen krank, nach dem Unrecht an meinem Vater zu sehen, welche juristischen Argumente Shell mit seinen bestbezahlten Anwälten anführt. Ein Grund für den Protest war ja, die Art und Weise, wie Shell vorging: die Ogoni lebten ja vom Fischfang im Niger-Delta, aber Shell legte offene Deponien an und die Pipelines führten kreuz und quer über die Felder. Die Umweltverschmutzungen geschahen in einem empfindlichen Ökosystem und zerstörten die Lebensgrundlagen. Dafür war Shell verantwortlich, doch als die Menschen dagegen protestierten, wurden sie brutal unterdrückt.“

Saro Wiwas Sohn Ken Wiwa, zitiert von Nick Mathiason in Observer 5.4.2009, Übersetzung Alfred Brandhofer. Ken Wiwa lebte in Kanada und arbeitete als Journalist. Er schrieb die Biografie In the Shadow of a Saint. Ken Wiwa erlag im Oktober 2016 im Alter von 47 Jahren in London einem Schlaganfall.

Am 9. Juni 2009 verglich sich Royal-Dutch Shell außergerichtlich mit den Hinterbliebenen Ken Saro-Wiwas und der anderen acht Hingerichteten und zahlte 15,5 Millionen US$, um nicht vor einem US-Bezirksgericht wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt zu werden (Quelle: Wikipedia).

1) Im Nachhinein betrachtet ist so ein Ansporn alles andere als ein Ruhmesblatt, denn es stellt ja schließlich eine Herabwürdigung, Verunglimpfung der Mannschaften von Nachbarorten dar und trägt den Keim für mehr Intoleranz in sich, vor allem gegen Fremde im Allgemeinen. Da trifft dann auch die Rechtfertigung „Ein bisschen Spaß (und Schmäh) muss sein“ eher nicht ins Schwarze.

2) Der Name Ostarrichi tauchte erstmals in einer Urkunde des Jahres 996 auf: Kaiser Otto III. schenkte dem Bistum Freising einen Hof und etwa 1.000 Hektar Land bei Neuhofen an der Ybbs. Aus dem in der Schenkungsurkunde erwähnten „Ostarrichi“ entwickelte sich im Lauf der Zeit das heutige „Österreich“. Dies hat Neuhofen den Namen „Ostarrichi-Gemeinde“ und dem Bezirk Amstetten das Prädikat „Wiege Österreichs“ eingetragen. Für die Niederösterreichische Landesausstellung 1996 wurde die Gedenkstätte an der Moststraße in den Ostarrichi-Kulturhof umgebaut.

PS: Interview mit Sigrid Horn (Album-Standard, 4.1.2020) siehe: https://www.derstandard.at/story/2000112901870/saengerin-sigrid-horn-es-wird-vollgstopft-und-vollgstopft?

Bericht über die Situation in Chile (Standard-Album, 11.1.2020) siehe: https://apps.derstandard.at/privacywall/story/2000113145035/chile-der-kapitalismus-ohne-maske?ref=rss


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Den vollständigen Text finden Sie im aktuellen Augustin, bei/m Kolporteur/in Eures Vertrauens.


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