Herzliche Einladung zum Vortrag am 19. Juni im Vereinshaus Wolfurt.

Der Vorarlberger Alexander Wostry (SAT) wird einen spannenden Vortrag über seine Arbeit in Tanzania und über zukunftsorientierte, nachhaltige Landwirtschaft halten. Der Veranstalter, NLO (Nachhaltige Landwirtschaft Ostafrika), freut sich darüber hinaus, dass Simon Vetter (vom Vetterhof, Vorreiter für Biolandwirtschaft in Westösterreich) die einleitenden Worte übernehmen wird!

Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf 9 Milliarden Menschen anwachsen. Mit einer ebenfalls ansteigenden Mittelschicht, die auch mehr Fleisch konsumieren wird, prognostizieren die Vereinten Nationen (UN), dass sich in den nächsten 30 Jahren die landwirtschaftliche Produktion verdoppeln muss. Wie wird das gehen? Insbesondere, wenn andere Prognosen aufgrund der bevorstehenden Klimaerwärmung Ernterückgänge in Afrika von bis zu 50% ankündigen. Hinzu sind über 30% der global genützten landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr produktiv nutzbar, da sie durch Chemie ausgelaugt oder infolge überintensiver Nutzung erodiert sind. Mit welchem Wasser, das ja immer weniger verfügbar ist, sollen wir die übrig gebliebenen Länder bewässern? Brauchen wir gentechnisch verändertes Saatgut, das von großen Konzernen verkauft wird? Sind chemische Giftkeulen eine wirkliche Hilfe unseren Planeten wieder fruchtbarer zu machen? Warum sprechen so wenige Menschen über Landwirtschaft, obwohl sie ein Hauptgrund dafür sein wird, dass es bis 2050 vermutlich über 300 Millionen Klimaflüchtlinge geben wird. Verzweifeln sie nicht, lauschen sie Erfolgsgeschichten aus Afrika, und helfen Sie anschließend zu verbreiten, dass biologisch LOGISCH ist, und dass dieser einzige Weg nicht nur schöner ist, sondern obendrein auch besser schmeckt.

Termin: Dienstag, 19. Juni 2018 um 19:30 Uhr Veranstaltungsort: Vereinshaus Wolfurt, Unterlinden 1, 6922 Wolfurt

Weitere Informationen: www.nlo.at


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Lyrik-Lesung mit Jacinta Kerketta aus dem indischen Bundesstaat Jharkhand

Donnerstag, 21. Juni 2018, 20:00 Uhr Donauparadies Gierlinger, 4131 Obermühl

Musik: Günter Wagner – Akkordeon

Indiens Wälder weinen „blutige Tränen“

Geboren am Rande des Saranda-Dschungels, heute in der Landeshauptstadt Ranchi lebend, bereiste die Schriftstellerin und Journalistin Jacinta Kerketta ihren Heimatbundesstaat und berichtete von den Brennpunkten; von den großen Staudammprojekten, den Kohle- und Eisenerz-Tagebau, von der industriellen Entwicklung des Landes – und damit einhergehend: von den Landenteignungen, von der Zerstörung der Lebensbedingungen der Menschen und deren wertvollen kulturellen Erbes. Über ihre Reportagen hinaus hat sie all dies auch in Gedichten zum Ausdruck gebracht. Durch eine beeindruckende bildhafte Sprache gelingt es ihr so, einen emotionalen Zugang zur oft bitteren Realität zu vermitteln.

Die Lesung erfolgt zweisprachig: Originalsprache Hindi – es liest die Autorin Deutsch – es liest Annika Höller

Bücher von Jacinta Kerketta

Bestellungen an: Adivasi-Koordination in Deutschland e.V., www.adivasi-koordination.de, sarini.jl@gmail.com, 0049-176-86140628, 2Rivers Friendship Project fdIv – kultURsprung, 4132 Lembach, Eibl Josef – j.eibl@eduhi.at – 0680 1192197

Dass es von diesen in Hindi verfassten und von Jacinta auch in Hindi gelesenen Gedichten eine deutsche Übersetzung gibt, ist ein Zufall der besonderen Art. Er ist dem langen Engagement der deutschen Adivasi Koordination, des Aktivisten Johannes Laping und der beiden befreundeten Übersetzer Vijay K. Chhabra und Brigitte Chhabra zu verdanken sowie allen in Indien und Europa engagierten Personen und Organisationen, zu denen sich auch unsere 2Flüsse Freundschaft zählen darf. Diese alle gemeinsam setzten sich dafür ein, dass der Lebensraum der indigenen Menschen und ihrer Dörfer in Jharkhand, Odisha, Chhattisgarh und ganz Indien erhalten bleibt. Oftmals gelingt das nicht und die Zerstörungen nehmen ihren Lauf. In diesem Falle sehen wir einen Wert auch darin, dass dieses Schicksal beklagt, dokumentiert und publiziert, sowie auch weitergesagt und immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Das soll an diesem Abend durch die in Gedichte gefassten Botschaften von Jacinta Kerketta übermittelt werden. Es freut uns zusätzlich, dass wir mit Annika Höller eine junge österreichische Autorin und Journalistin gefunden haben, die selbst über eine große Affinität zu den von Jacinta vorgetragenen Themen verfügt und sich bereit erklärt hat, die deutsche Übersetzung zu lesen. Wir freuen uns sehr auf dieses Zusammentreffen an der Donau mit der musikalischen Umrahmung durch Günter Wagner am Akkordeon. Es ist unser Ziel, dass ein frischer Wind von diesem Abend an der Donau nach Jharkhand weiterweht und jene Energie vermittelt, die dort so dringend benötigt wird. Die indigenen Völker Indiens und der ganzen Welt sind auf internationale Unterstützung angewiesen.

Mit besten Grüßen Ihre Elisabeth Költringer 

Koordinatorin 2Rivers Friendship Project, Ohnerstorf 11, A-4152 Sarleinsbach, Tel: 0043 7283 8605, Email: elisabeth.koeltringer@sundial.at, www.2riversfriendship.wordpress.com


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Nepal ist großteils von Importen aus dem Ausland abhängig. Lokale Ressourcen wie BAMBUS sind ein wichtiger Beitrag, um die regionale Wertschöpfung zu steigern. Bambusbauten haben großes Zukunftspotential und versprechen viele Jobs in diesem Bereich! Damit werden Perspektiven im eigenen Land geschaffen, die der Abwanderung entgegenwirken und die Abhängigkeit zu anderen Ländern verringern werden.

Mit Eurer Spende helft Ihr Weltweitwandern-wirkt!, diese neue Perspektive für Nepal und eine ökologisch nachhaltige Bauweise zu fördern!


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Newsletter des Entwicklungshilfeklubs: Die neuen Projekte im Mai

Wenn der Frühling bei uns ins Land zieht, die Kälte endlich der Wärme weicht und alles anfängt zu sprießen und zu blühen, dann stecken auch bei uns viele die Hände in die Erde, um im Vorgarten oder auf dem Balkon Blumen zu setzen oder Gemüse anzupflanzen. Es ist die Zeit der Vorbereitung und der Aussaat, Zeit, für den Beginn von neuem Leben zu sorgen. Doch was ist, wenn das Land für den Anbau durch den Bürgerkrieg verbrannt wurde? Wenn die Felder überschwemmt werden, weil keine Bäume sie schützen? Wenn veraltetes Werkzeug zum Bestellen der Felder nicht ausreicht? Wenn die Menschen gar keine Felder besitzen? Wenn nur der Hunger bleibt? Damit sich das ändert sollen die neuen Projekten Hoffnung bringen, Zuversicht verbreiten und neue Wege eröffnen.

Neubelebung der Landwirtschaft durch Jugendliche

Kongo, Demokratische Republik: Extreme Armut und brachliegende Felder stehen in argem Widerspruch zu einem von Natur und Klima gesegneten Gebiet: Armeen, Rebellen- und Milizgruppen haben die Provinz Süd-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo zerstört. 80 Prozent der Bevölkerung sind kleinbäuerliche Familien, aber die Jugendlichen glauben nicht mehr, dass sie von der Arbeit auf dem Feld leben und überleben können. Jugendliche, die sowohl Schulbildung als auch den Mut haben weiterzulernen, sollen den Weg in eine neue landwirtschaftliche Zukunft finden. Sie erhalten in ihren Dörfern Schulungen und lernen neben neuen landwirtschaftlichen Methoden auch ihre Produkte gemeinsam und gewinnbringend zu vermarkten. DER ERDE VERBUNDEN, sollen sie das Land ihrer Vorfahren wieder zum Blühen bringen.

Weg zum Licht: Baumschulen für kleinbäuerliche Gemeinden

Burma: Holzhandel und Bergbau führen im Norden von Myanmar zu massiven Abholzungen der bestehenden Wälder. Auch aufgrund der Brandrodungen durch die kleinbäuerlichen Familien geht Waldfläche verloren. Ohne Bäume ist der Boden jedoch schutzlos jedem Wetter ausgesetzt. Erdrutsche, Überschwemmungen und Erosion zerstören die fruchtbaren Felder und damit die Lebensgrundlage der Menschen. Mit dem Aufbau von Baumschulen und der Aufforstung in ihren Dörfern können die kleinbäuerlichen Familien selbst aktiv zur Erhaltung ihrer Lebensgrundlage beitragen. Mit jedem Bäumchen, das sich seinen WEG ZUM LICHT bahnt, wachsen auch die Zuversicht und das Wissen der Menschen, dass sie ihre fruchtbaren Felder schützen können.

Mehr Infos: www.entwicklungshilfeklub.at


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 Es ist das aktuelle Herzensprojekt des bekannten Oberhaupts der Tuwa, Schriftstellers und Schamanen Galsan Tschinag: die Wiederbewaldung eines Teils der Mongolei und des Hohen Altai. Seit April 2009 pflanzt die Galsan-Tschinag-Stiftung mit Unterstützung von SpenderInnen und Fördervereinen Baumsetzlinge. Inzwischen ist die Anzahl der gesetzten Bäumchen auf 650.000 Bäume angewachsen. Seit vielen Jahren kommt Galsan Tschinag im Frühjahr und Herbst nach Europa, um im deutschsprachigen Raum Lesungen und Heiler-Seminare zu gestalten sowie Vorträge zur Rettung der Natur weltweit zu halten. Er ist auch in Österreich ein gern gesehener Gast, und seine Stiftung hat hier viele UnterstützerInnen gefunden. Hans Bogenreiter, der Initiator der Solidarischen Abenteuer, kennt Galsan im Zuge der Koordinierung von Projekten und Veranstaltungen seit vielen Jahren persönlich und ist auch ein großer Bewunderer seiner Literatur und Spiritualität bzw. seiner unermüdlichen Tatkraft für sein Volk.

Über die aktuelle Situation in der Mongolei

Von den 5.565 Flüssen und Bächen sind 700, von den 9.600 Quellen sind 1.500, von den 4.200 Seen sind 760 bereits gänzlich verschwunden und auch die restlichen Gewässer sind dabei, ihre einstigen Reserven zu verlieren. Bestanden vor 30 Jahren noch gut 12 Prozent des Landes von insgesamt 1,5 Mio. qkm aus ursprünglichen Wäldern, hat sich die bewaldete Fläche mittlerweile auf 3 Prozent verringert. Jahrzehntelang wurde in der Mongolei eine unkontrollierte Abholzung des Baumbestandes ohne Wiederaufforstung durch staatliche Stellen zugelassen. Heute nun ist es dringend erforderlich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, da durch den Klimawandel, die Überweidung durch Kaschmirziegen und zu wenig Regen die Mongolei in weiten Teilen zu versteppen droht. Davon sind am stärksten die Nomaden betroffen, deren Lebensgrundlage stark gefährdet ist.

“Mutter Erde” hat ihre Kraft verloren

Es werden nur einheimische Baumsorten verwendet, besonders Pappeln, Lärchen, Ulmen, Ahorn und Sanddornsträucher, die inzwischen auch in einer eigenen Baumschule der GTS gezogen werden. Eine zweite kam im Frühjahr 2012 hinzu, da ein eingezäuntes Grundstück gegenüber von Galsan Tschinags Haus von der GTS erworben werden konnte. Zäune sind wichtig gegen Tierfraß und Diebe, eine Wasserstelle ist wichtig zur Bewässerung der Setzlinge, und diese brauchen zusätzliche Pflege. Leider halten sich finanzkräftige Mitbürger und der mongolische Staat mit Unterstützungen zurück, so dass es nur Galsan Tschinags privatem unermüdlichen Einsatz zu verdanken ist, dass dieses Projekt weiterwächst.

Die Wiederbewaldung

So gewinnt der Wald – in der Mongolei, wie auch weltweit – immer stärker an Bedeutung als Faktor zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen für Mensch und Tier. Deshalb setzt sich Galsan Tschinag mit aller Kraft und seinen finanziellen Möglichkeiten für die Wiederbewaldung ein. Mit dem bekannten Kinderbuchautor und Illustrator Janosch wurde eine Postkartenserie „7 Baumgeister & 1 Million Bäume“ realisiert, deren Erlös dieser Aktion dient. Für den Betrag von 10,00 EUR zzgl. Porto für ein Set wird es Ihnen gern zugesandt. Dieser Betrag entspricht der Pflanzung eines neuen Baumes. So ist jedes Set = 1 neuer Baum. Bestellung via Förderverein Mongolei, Infos siehe anschließend.

Bäume auch für die Hauptstadt

Mai 2016: In Ulaanbaatar und Umgebung hat die Galsan -Tschinag -Stiftung im Mai 20.000 Bäume an interessierte Bewohner der Stadt gespendet und die Menschen bei der Pflanzung angeleitet. Felix Nguyen, ein ausgebildeter Landwirtschaftsmeister aus Deutschland, unterstützt die Baumschule von Zeit zu Zeit auch vor Ort. Auch wurden einem Gefängnis mit 200 tuberkulosekranken Häftlingen in 60 km Entfernung von der Hauptstadt 3.500 Bäume und Setzlinge gespendet.

Die Häftlinge halfen gemeinsam mit ihren Wächtern bei der Pflanzung mit. Ein sehr gelungenes soziales Projekt. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 51.300 Bäume und Setzlinge gespendet und somit haben wir die Schwelle 700.000 Bäume erreicht. Ein guter Start ins neue Jahr und ein weiterer wichtiger Schritt, um das Ziel zu erreichen, 1 Million neue Bäume gepflanzt und einen wichtigen Beitrag zur Wiederbegrünung der Mongolei geleistet zu haben. Um das Gelände der Baumschule in Zengel/Altai hat Galtaikhuu, Galsans Sohn und Leiter der Stiftung, 1000 Pappelsetzlinge und 700 Caragana-Distelsträucher als biologische Schutzwand gegen den ständigen Wind pflanzen lassen. Fünf LKW-Ladungen Dung wurden für die Pflanzgräben angeliefert. Außerdem legte man Gräben zur Bewässerung entlang der Zäune an und grub einen Teich als Wasserreservoir.

Informationen

Förderverein Mongolei e.V., c/o Wilma Brüggemann, Bismarckstr.44, D-72622 Nürtingen, Telefon: 07022.39889, Mail: wilma.brueggemann@t-online.de, Home: http://foerderverein-mongolei.de

Österreichischer Verein: www.nomadenhilfe-mühltal-galsan-tschinag.at, Spendenkonto: Sparkasse Mühlviertel West, Konto: Nomadenhilfe Mühltal, IBAN: AT14 2033 4000 0462 6958, BIC: SMWRAT21XXX

Galsan Tschinag

ist 1943 „im Winter zu einer Zeit, als die Schafe zu lammen beginnen“ in einer Nomadenjurte in der Mongolei geboren worden. Der mongolisch-tuwinische Autor ist eine Ausnahmeerscheinung im Literaturbetrieb. Seit er in den 1960er Jahren in der DDR Germanistik studiert hat, schreibt Tschinag seine Bücher auf Deutsch: Romane, Erzählungen, und Gedichte, in denen er teils autobiografisch Leben und Landschaft der mongolischen Steppe und Berge beschreibt und warmherzig und klug die Lebenswege und die Seelen von Menschen in Asien und Europa porträtiert. Tschinag ist Schamane, Schriftsteller, Schauspieler und Oberhaupt der Tuwa. Bei seinen Lesereisen und Seminaren bringt er Menschen in Europa, Amerika und Asien das Denken und die Lebensweise der zentralasiatischen Nomaden näher. Als Nomadenjunge hatte der nun weltweit bekannte Schriftsteller nach einem Unglück fast keine Überlebenschance, der Großteil seiner Haut war verbrannt und die Schmerzen schier unerträglich. Er schilderte die dramatischen Ereignisse so: „Da ereilte das Unglück unseren Ail, unsere Jurte, mich. Ich stürzte in den Kessel, in siedend heiße Milch. Und es ereignete sich an dem Abend des Tages, an dem Großmutter weggeritten war, um mir meine künftige Herde in die Hürde (Anm.: umzäunte Weide) zu holen.“ Nur gut, so schreibt er weiter, dass sich niemand mehr an Einzelheiten erinnern kann, trotzdem lässt er seine Leserschaft an den dramatischen Stunden seiner Rettung (die von Nachbarvölkern kam, mit denen es auch oft Streitigkeiten gab) sehr eindringlich teilhaben: „Der erste der Männer kam nach Mitternacht an, er brachte zehn Jahre gestandenes Bärenfett mit. Mit dem sollte die Brühwunde bestrichen werden“. In seiner Heimat kennt man Tschinag vor allem unter dem Namen Irgit Schynykbaj-oglu Dshurukuwaa. Er kam 1943 im Altai-Gebirge in der Westmongolei zur Welt. Seine erste Lehrerin war seine Tante, eine Schamanin. Bis heute prägen ihn, den Schriftsteller, Anführer und Schamanen der Tuwa, die Gesänge und Epen seines Volkes und die Natur der Bergsteppe. In der Grundschule fällt seine Begabung erstmals auf, ein Angebot zu einem Studium in Moskau schlägt er aus und entscheidet sich, an der Universität von Leipzig (damals DDR) Germanistik zu studieren. Der bekannte Schriftsteller Erwin Strittmatter wird sein väterlicher Freund, der ihm die Sinne für Dichtung und Gesang schärft. 1968 kehrt er in die Mongolei zurück, lehrt in Ulaanbaatar Deutsch, bis er 1976 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ mit einem Berufsverbot belegt wird. In dieser Zeit überlebt er als Übersetzer und Journalist und kann dank glücklicher Fügungen in Ost-, später auch in Westdeutschland seine Bücher verlegen. Es entstehen seither in dichter Folge zahlreiche Romane, Erzählungen und Gedichtbände.

Daneben ist er auch weiterhin Schamane, gibt sein Wissen in unzähligen Vorträgen auf der ganzen Welt weiter, wird als Führer seines Volkes anerkannt und pendelt — buchstäblich — zwischen „den Welten“ hin und her. Er lebt teilweise in der Hauptstadt der Mongolei, bei seinem Volk im Altaigebirge oder ist auf Lesereisen in Europa, Amerika oder Asien unterwegs. Seinen großen Traum verwirklichte er, als er eine Gruppe von Tuwa-Nomaden, die in der kommunistischen Ära der Mongolei in die Zentralmongolei zwangsumgesiedelt wurden, über zweitausend Kilometer in ihre alte Heimat im Hohen Altai zurückholt. Dabei waren ihm seine mittlerweile auch in der Mongolei zugewachsene Popularität und seine finanziellen Möglichkeiten als erfolgreicher Schriftsteller hilfreich. Heute bemüht er sich um die Verwirklichung verschiedener kultureller und wirtschaftlicher Projekte, um dem Nomadentum das Überleben zu sichern. Nach dem Ende der sozialistischen „Zwangsbeglückung“ ist das Leben aber weder für die Tuwa noch für die übrige Bevölkerung in der Mongolei leichter geworden; der „wilde“ Kapitalismus fordert auch seine Opfer. Galsan trägt es mit Fassung: „Ich habe den Kommunismus überlebt — habe geholfen, ihn zu stürzen. Werde die Korruption schon überleben.“ Als Student versprach er: „Ich werde eine Brücke zwischen Ost und West sein!“ – seine Vision hat sich erfüllt: eine große deutsche Tageszeitung ehrte ihn mit den Worten „Er ist eine Brücke zwischen Ost und West!“ Galsan Tschinag verbindet das Morgenland mit seinem urzeitlichen Schamanen- und Nomadentum und das Abendland mit dessen philosophischer Aufklärung und dem neuzeitlich-technischen Fortschritt. Sein Wirken richtet sich auf eine Ergänzung der Neuzeit mit der Altzeit, der modernen Kenntnisse der Menschheit mit dem Urwissen seines Volkes: so sind der achtsame Umgang mit der Natur, die einfache Lebensweise, voller liebe- und vertrauensvollem Miteinander, die zentralen Themen seiner Werke.

Ausführliche Infos und Literaturliste: http://galsan-tschinag.de

Die Tuwa

Die turksprachigen Tuwa sind die Nachfahren des einst riesigen Toba-Reiches in Zentralasien. Die meisten der rund 300.000 Tuwiner leben in der Provinz Tuva, Teil der Russischen Föderation. Galsan Tschinag bezeichnet sein im Nordwesten der Mongolei im Hohen Altai lebendes Volk, als „Insel der Menschheit der vergangenen Jahrtausende, dessen Kultur erhalten werden muss.“ Rund 4.000 Tuwa leben in der Westmongolei im Hohen Altai, einem Gebirgszug, der sich über fünf Staaten erstreckt. Als Nomadenvolk sind sie mit den Bergen und Steppen eng verbunden, ihr Weltbild ist geprägt von der Vorstellung einer beseelten Natur und sie behandeln daher ihre Umwelt sehr respektvoll.

Tiere, Pflanzen und Menschen sind ebenbürtige Wesen. Wer stirbt, verwandelt sich in einen Stein; alte Menschen sind für sie „werdende Berge“. Nach ihrem Glauben sind Leben und Alltag eins, Gebet und Gesang stets gegenwärtig. Schamanen sind die wichtigsten Persönlichkeiten in den Sippen. Die Tuwa haben keine Schrift, aber eine lebendige orale Überlieferung und ein reiches Vermächtnis an Mythen. Den Tag beginnen sie mit einem Blick zum Himmel und einem Gruß an den Hohen Altai. Die Welt vergleichen sie mit einer großen Jurte, in der nichts zerstört werden soll. Niemals würden die Tuwa einen Baum fällen, um ihre Jurte zu beheizen. Nur das Holz, das die Bäume selber fallen lassen, wird dazu verwendet. Trotzdem sind Bäume im Hohen Altai rar geworden. Vor allem die vor rund hundert Jahren zugewanderten Kasachen haben viele Wälder abgeholzt. Die Tuwa in der Westmongolei leben hauptsächlich von ihren Viehherden (Yaks, Ziegen, Schafe, Kamele und Pferde). Das Schicksal der Sippen ist also eng mit dem Wohlergehen der Tiere verknüpft. In den letzten Jahren haben dramatische Klimaänderungen, vor allem ungewöhnlich strenge Winter, die von kurzem Tauwetter unterbrochen werden, viele Herden stark dezimiert. Tausende Tiere fanden den Tod, weil sie durch das Eis (das nach Tauwetter pickelhart friert) keine Flechten und Gräser rausscharren konnten. Die Tuwa suchen daher nach wirtschaftlichen Alternativen und Innovationen, z.B. verbesserte Vorratshaltung und Gemüseanbau.

Fotos: Förderverein Mongolei e.V. (1-3) und Wolfgang Israel (Titelbild, 4-8)


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