Alexander Buschenreiter mit Martin Gashweseoma. Der Hopi-Elder war der Hüter der Feuerclan-Steintafel und der Sprecher der Hopi-Delegation, die am 22. November 1993 im Rahmen der UN-Konferenz „Cry of the Earth“ („Aufschrei der Erde“) in New York zu Wort gekommen ist. Foto: A.B.

Buchautor Alexander Buschenreiter am Weg der Hopi

von Hans Bogenreiter

Zwar führte der Reiter im Nachnamen einige Male zu Verwechslungen, aber meine über dreißig Jahre währende Verbindung mit Alexander Buschenreiter besteht in erster Linie im Austausch und in Zusammenarbeit über Anliegen von indigenen Völkern. Darüber hinaus eint uns auch die Fertigkeit des Sensenmähens und eine mehrmalige Neuorientierung im Leben. Ein Kuraufenthalt des Autors in Bad Mitterndorf-Heilbrunn im steirischen Salzkammergut führte mich im Frühjahr 2019 zu einem Wiedersehen mit Alexander, der dort seit vielen Jahren praktisch um die Ecke lebt. Seit rund 40 Jahren pflegt Alexander Buschenreiter einen solidarischen Austausch mit Angehörigen von First Nations, also Ethnien, die schon lange dort lebten, bevor europäische Abenteurer den Kontinent „entdeckten“. Diese Kontakte brachten eine große Wende im Bewusstsein des vierfachen Vaters mit sich: „Die Begegnung mit den Hopi- Indianern hat mein Leben maßgeblich beeinflusst und verändert, mich bestärkt, den Weg des Herzens und der Verantwortung für das Leben zu gehen“.

Von der Wiener Gstättn zum ORF

Im Sommer 1945 in Wien geboren, ist Alexander Buschenreiter durchaus noch als Kriegskind zu sehen. Seine mit ihm schwangere Mutter erlebte die letzten Kriegstage oft voller Angst in Wiener Luftschutzkellern und im Flakturm-Bunker im Augarten. Er entstammt einer armen Wiener Arbeiterfamilie, seine Mutter musste ihren erlernten Beruf als Schneiderin wegen Augenproblemen schon früh aufgeben, fand eine Zeit lang eine Tätigkeit als Hilfsarbeiterin, sein Vater verdiente als Friseur ebenfalls wenig.

Seine Kindheit sieht Alexander im Rückblick jedoch als sehr bereichernd und geborgen. Vor allem das Aufwachsen in einer grünen Idylle der Großstadt, die nun schon in Vergessenheit geraten ist und für die heutige Stadtbevölkerung anachronistisch wirkt. Dort, wo sich heute im 20. Bezirk ein riesiger, asphaltierter Busabstellplatz befindet, stand im Hinterhof eines Landgasthofs die Baracke und ein kleiner Wohnwagen der Familie, ohne Wasser- und Stromanschluss. Die Siedlung mit weiteren Wohnwagen und einem kleinen Wohngebäude grenzte an einen Bahndamm der Nordwestbahn, eine Wiesen- und Buschgstättn und einen Privatgarten mit Obstbäumen. Katzen, Hunde und Hendln liefen frei herum; die Kinder, die dort aufwuchsen, hatten ideale Spielmöglichkeiten im Freien.

 

Alexander (links) mit Cousin Erwin, Familienbaracke, Fotos: A.B. privat

Auch der Musiker und Schriftsteller Martin Kubaczek, der im Überschwemmungsgebiet der Donau in Jedlesee aufwuchs, bezeichnete das Gebiet als Wildnis. Ein ideales, prärieähnliches Gelände für Heranwachsende zum Indianerspielen? Es mag erstaunen, aber der junge Alexander hatte damit überhaupt nichts am Hut. Auch Karl May, mit dessen erfundenen Geschichten so viele spätere Indianerfreaks aufgewachsen waren, hatte er nie gelesen. Eines seiner Lieblingsbücher war „RIKKI. Die abenteuerliche Geschichte einer kleinen Maus“ von E.B. White, das ihm seine Eltern zu Weihnachten 1951 geschenkt hatten. Angeregt durch die nahe Autowerkstatt von Studebaker interessierte sich Alexander schon früh für Autos und Technik. Mit 12 Jahren baute er seinen ersten Detektorempfänger, um vor allem nachts Radio auf Mittelwelle zu hören. Geborgen in einem liebevollen, weltoffenen Elternhaus, das mit seiner Naturverbundenheit sein positives Weltbild ebenso wie die Schwester seiner Mutter und ein Jugendkaplan prägte, war er der Religion der Nächstenliebe verbunden.

Alexander (links vorne) mit Eltern, Cousine & Cousin, Tante Hedi (links) und Hund Prinz, Foto: A.B. pr.

Nach der Übersiedelung in eine Hausmeisterwohnung in Oberdöbling begann er eine kaufmännische Lehre im Radio- und Fernseheinzelhandel der Firma Veritas Film und Ton in der Wiener Innenstadt und schloss sich der katholischen Arbeiterjugend an. In der Reparaturwerkstatt des Unternehmens (das es in Linz noch immer als Verlag und Buchhandlung gibt), lernte er ebenso dazu wie im firmeneigenen Tonstudio, wo er sozusagen nebenbei zum Tontechniker heranwuchs und allmählich die Produktion der Ärztlichen Tonbandzeitung übernahm. Im Zuge der rasanten Entwicklung der Medienwelt ist diese damalige Neuerung mittlerweile fast völlig in Vergessenheit geraten. Für Alexander bedeutete sie aber den Beginn seiner Begeisterung für das Medium Tonband und Schallplatte zur Tonaufzeichnung und -wiedergabe, nachdem er bereits ausdauernder Radiohörer war.

Alex ist noch immer Tontechniker…Foto: Jaqueline Korber

Schon vor dem Lehrabschluss hatte sich Alexander aufgrund prägender Erlebnisse entschlossen, katholischer Priester zu werden: Er trat nach bestandener Lehrabschlussprüfung in Horn in das Canisusheim für Spätberufene ein und besuchte dort das Aufbaugymnasium. Nach bestandener Matura wurde er Novize im Orden des hl. Franz von Sales. Nach dem Noviziat begann er sein Studium an der Katholischen Universität und der Pädagogischen Hochschule in Eichstätt in Oberbayern. Ihm gefielen die spirituellen Erkenntnisse des Ordensgründers und das Zusammenleben der Patres und Brüder: Christsein im Alltag heißt Tugenden wie Demut, Sanftmut, Geduld, Herzlichkeit, Optimismus pflegen und sich um seine Mitmenschen kümmern. Franz von Sales orientierte sich an den biblischen Worten von den lebendigen Dingen der Welt, sie sollen Früchte tragen, ein jedes nach seiner Art (Gen 1,11). Jeder ist dazu berufen, seine Frucht zu bringen. Alexander widmete sich dabei der sozialen Frage, speziell der Jugendsoziologie und blieb im Rahmen des Ordens in der Jugendarbeit aktiv. Dabei schlichen sich aber auch erste Zweifel ein, als die Öffnung der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil wieder rückgängig gemacht wurde. Er stand dabei in intensivem Austausch mit einem Mitbruder der Franziskaner und einer Nonne, die ebenfalls in Eichstätt studierten. Sie lehnten vor allem die vermeintliche biblische Anweisung „Macht euch die Erde untertan“ und die wieder erstarkende konservative Praxis der katholischen Kirche ab und stießen dabei auch auf die ursprüngliche Bedeutung dieses Satzes im Hebräischen: „Stelle beide Füße auf die Erde und richte dich auf.“ Letzten Endes führte diese Entdeckung – in ihren Augen ein Übersetzungsfehler, der die Kirche und damit auch einen Gutteil der Menschheit eine falsche und fatale Richtung einschlagen ließ – bei Alexander zum Entschluss, den Orden zu verlassen und später auch aus der Kirche auszutreten. Aktueller Querverweis: Während Papst Franziskus mehrmals vehement die Ausbeutung und Zerstörung der Schöpfung beklagte, feiert Brasilien mit dem Abfackeln großer Regenwälder gerade eine fatale, feurige Wiedergeburt der umstrittenen Aussage in der „Heiligen Schrift“. Aus der Sicht der evangelikalen Kirchen ist Franziskus links. Er will mit seiner Umweltenzyklika die Erde nicht mehr antasten, kritisiert die brasilianische Frauenministerin und Pastorin Damares Alves, dabei stünde doch in der Bibel: „Macht Euch die Erde untertan.“ (Quelle: Artikel „Bolsonaros religiöse Vorarbeiterin“ in Wiener Zeitung, 18.8.2019).

Alexander störte Vieles, was aus der Lehre Jesu in den kirchlichen Institutionen gemacht worden war. Sein Abschied wurde jedoch von den Ordensoberen nach einem abschließenden Gespräch voll und ganz akzeptiert. Am Weg des Herzens, der Anteilnahme, am sozialen Gedankengut wollte er sich weiter orientieren und so trat er in München der katholischen „Integrierten Gemeinde“ bei, die in mehreren Wohngemeinschaften zusammenlebte und sich an einer modernen Auslegung der Hl. Schriften orientierte. Er setzte sein Studium der Soziologie fort und arbeitete abends und nachts als Tonassistent für Schallplattenaufnahmen in den zwei größten Münchner Tonstudios (u.a. für Klaus Doldinger, Georgio Moroder und Mary Roos sowie Playbacks für TV-Produktionen wie „Der Goldene Schuss“ mit Vico Torriani und Marika Rökk). Schließlich brach er das Studium ab, arbeitete als Verkäufer im Radiogroßhandel und zuletzt als Einkäufer und Lagerverwalter in einer der Fabriken von Mitgliedern der Integrierten Gemeinde. Für eine davon im Allgäu erhielt Alexander das Angebot, die Geschäftsführung zu übernehmen. Nach langem inneren Kampf lehnte er ab, da er ein Lehramtsstudium aufnehmen wollte, um wieder mit Jugendlichen arbeiten zu können. Daraufhin wurde er aus der Gemeinde ausgeschlossen. Alexander ging zurück nach Österreich und studierte in Salzburg für das Volks- und Hauptschullehramt, daneben Politik- und Kommunikationswissenschaften, schloss mit den Lehramtsprüfungen ab und unterrichtete ein Jahr in Bürmoos an der Hauptschule in Deutsch, Geschichte und Geografie, dann drei Jahre lang in Grödig, dazu im Polytechnischen Lehrgang. Einer seiner Schüler dort war Harald Krassnitzer, dem, so der nunmehrige Schauspieler, Alexander die Schulangst genommen und Krassnitzer inspiriert hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Parallel zum Studium und zur Pädagogik arbeitete er weiter als Tontechniker beim ORF, u.a. für TV-Reportagen über die Salzburger Festspiele und begann selber Interviews für eine Schulfunksendung von Herbert Lenobel (u.a. Sprecher von „Das Traummännlein ist da“) nach Wien zu schicken. Er schrieb für die Arbeiterzeitung und den Kurier über Jugend- und Bildungsthemen und übersiedelte 1977 nach Wien, nicht ohne sich schwerzen Herzens von den SchülerInnen seiner beiden Klassen zu verabschieden. Der Grund: Der ORF hatte völlig überraschend bereits ab Herbst sein Konzept einer neuen Sendereihe namens „Schulreport“ angenommen, zu der später noch das „Elterngespräch“ kam. Alexander begann auch in der Ö3-Musicbox u.a. mit Wolfgang Fellner zu moderieren und Beiträge zu gestalten, bald auch in Ö1 für die Wissenschaftsredaktion und in der TV- Jugendsendung Ohne Maulkorb und der TV-Familiensendung WIR. Schließlich entwickelte er mit Kollegen das Konzept eines neuen TV-Jugendformats für den ORF, das mit ihm als erstem Chef vom Dienst unter Peter Hofbauer mit Vera Russwurm zum wöchentlichen OKAY wurde. Über ein Jahr später kündigte er aber: Er stieg aus dem Hamsterrad aus und wollte neben einer seiner Radioreihen eine kreative Pause machen, nur mehr freiberuflich tätig sein, bereit für neue Herausforderungen, wobei zusammen mit einer Entwicklungshelferin eine Sendereihe über die Mayas geplant war. Es kam aber anders.

Wie das Leben so spielt…

Die Hinwendung Alexanders zu den nordamerikanischen Indianern war einem reinen Zufall geschuldet. Eine Abiturientin aus dem Allgäu, die ihm in seiner Schaffenspause 1980 am Mondsee über den Weg lief, berichtete ihm über deren Situation und Lebensweise. Er begann Literatur über die First Nations wie ein Schwamm aufzusaugen und stieß darunter auf einen Artikel über die Hopi in Arizona: „Da sah ich Parallelen zur christlichen Urgemeinde, die mich schon immer fasziniert hat und ich wollte herausfinden, wie es den Hopi heute geht und ob sie eine Botschaft an uns haben.“ Es folgte eine intensive Vorbereitung und 1981 der erste Flug in die USA. Gebrieft mit guten Tipps des bayerischen Indianerexperten Claus Biegert besuchte Alexander zunächst die Mohawks im Nordosten, dann die Hopi im Südwesten. In Santa Fe in New Mexico traf er auch den österreichisch-ungarischen Karikaturisten und Publizisten Richard Erdoes, der sich für indianische Rechte und Spiritualität einsetzte und eng mit den Lakota zusammenarbeitete. Alexander wurde von ihm bestärkt, einen ähnlichen Weg zu gehen. Nach seiner Rückkehr nach Wien vermittelt er Claus Biegert zur Radiosendung Von Tag zu Tag und organisiert einen Diavortrag von ihm. An diesem Abend entsteht die Arbeitsgruppe Indianer Heute, aus der sich auch die österreichische Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker und später der Arbeitskreis Indianer Nordamerikas formierte. Alexander, seine Frau Angela und deren Freunde Mathias Neitsch, Roman Schweidlenka und Wolfgang Rehor wollten sich aber auf die Anliegen der Hopi und die Konsequenzen für uns daraus konzentrieren und gingen mit dem Arbeitskreis Hopi einen eigenen Weg, der sie schließlich auf einen unbewohnten, kleinen Bauernhof im steirischen Salzkammergut führte.

Der Grimming, Hausberg in Alexanders neuer Heimat, Foto: A.B.

Es folgen zahlreiche Diavorträge Alexanders über die Hopi im deutschsprachigen In- und Ausland, zwei ORF- und RAI-Hörfunkserien, drei Bücher, Artikel im Kurier, der Kronenzeitung und in Magazinen. Parallel dazu organisiert und betreut der Arbeitskreis Vortragstourneen des Sprechers der Hopi in Österreich und Bratislava, vermittelt in die Schweiz und nach Deutschland, verfasst Petitionen für einen Auftritt der Hopi in der UNO- Generalversammlung und stellt Kontakte zu Politikern her. Auf diese Weise gelang es Alexander Buschenreiter aufzuzeigen, dass uns mit den Indigenen Nordamerikas immer stärker die gemeinsame Sorge um den Fortbestand der Erde und ihrer Lebewesen verbindet. Die folgende Aussage steht mit Bedacht am Schluss: „Die Begegnung mit den Hopi-Indianern hat mein Leben verändert und mich bestärkt, den Weg des Herzens und der Verantwortung für das Leben zu gehen. Die Friedensbotschaft der Hopi, ihre Warnungen und Appelle zum Erhalt des Lebens sind aktueller denn je.“

Mit dem Hopi-Sprecher Thomas Banyacya Sr. (1909-1999) tauschte sich Alexander Buschenreiter über viele Jahre hinweg aus. Er erzählte ihm 1981 die autorisierte Fassung der Botschaft der Hopi, die Buschenreiter im Buch “Unser Ende ist euer Untergang” veröffentlichte. Als er 2011 zum siebenten Male die Hopi besuchte (Bericht auf www.solidarische-abenteuer.at) wurde er von Sandstürmen empfangen, wohl auch eine Folge von Klimaänderungen. Fotos: A.B.

Hopi: Der Weg des Herzens

Die wahren Hopi behüten das heilige Wissen über den Zustand der Erde, denn die wahren Hopi wissen, dass die Erde eine lebende / sich entwickelnde Person ist / und dass alle Dinge darauf ihre Kinder sind.                                                                                            Aus der Friedenserklärung der Hopi

UNSER ENDE IST EUER UNTERGANG
Die Botschaft der Hopi an die Welt, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Authal Verlag 2018, Autor: Alexander Buschenreiter, 328 Seiten, Softcover mit Flappen, s/w Abbildungen, Grafiken, € 15,40 ISBN 978-3-9504211-3-2

1948, Arizona, USA: Erstmals kommen die Elders aller Dörfer der Hopi-Indianer zusammen, um angesichts bedrohlicher Entwicklungen ihre prophetischen Anweisungen und Warnungen auszutauschen und über deren Folgen zu beraten. Es ist die Geburtsstunde der Wiederbelebung indianischer Identität und einer Bewegung zum Schutz von Land und Leben, die mithilfe der Irokesen seit den späten 60ern über die Hippies, Medien und Alternativbewegungen auch Nichtindianer weltweit erfasst. Und die Bewegung lebt: Heute, über 70 Jahre später, in Form von Protestcamps und Initiativen, die sich gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen richten – und überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander und ihren Lebensraum übernehmen.
Am Beispiel der Hopi (die als „Volk des Friedens“ gelten und vom 14. Dalai Lama als „die wahren Hüter des Gleichgewichts der Erde“ bezeichnet werden), der Mohawks, der Lakota und des Indianischen Ältestenrats vermittelt dieses Buch das Grundmuster einer lebensbejahenden, spirituell-ökologisch orientierten Lebensweise, die auch „Die indianische Alternative“ genannt wird. Sprecher der Hopi, der Lakota-Vertraute Richard Erdoes, Vertreter der Irokesen, des Indian Law Resource Center, der Medizinmann Phillip Deere und der Indianische Ältestenrat kommen ausführlich zu Wort.

Karin Halbritter (Verlagsinhaberin von Authal) und Alexander Buschenreiter präsentieren die Neuausgabe des Bestsellers „Unser Ende ist euer Untergang“ im März 2018. Foto: A.B. privat

35 Jahre nach der Erstausgabe sind die Warnungen der Hopi traurige Realität geworden: Ein nahender Klimakollaps, nukleare Katastrophen und die fortschreitende Verseuchung und Vernichtung unserer Lebensgrundlagen zeichnen diese Jahrzehnte im Anthropozän (Zeitalter des Menschen) aus. Die aktualisierte und erweiterte Neuausgabe warnt eindringlich davor, diesem Irrweg weiter zu folgen, zeigt aber auch sehr anschaulich einen hoffnungsvollen Weg des Herzens und des Friedens. Nach der mündlichen Überlieferung der Hopi beginnt in naher Zukunft das fünfte Zeitalter, da Prophezeiungen zum Ende der vierten Welt bereits eingetreten sind: mit dem „Kürbis voll Asche“ wurde die Atombombe gedeutet, „das Haus aus Glas“, wo sich die Völker treffen als das UN-Gebäude in New York und die ISS-Raumstation als „das Haus am Himmel“. Laut ihren Überlieferungen kommt es zu einer Zeit großer Umwälzungen, wenn die Menschheit ihren raubbauenden, zerstörerischen Kurs beibehält. Nur Menschen, die es nicht verlernt haben, mit der Natur zu leben, würden überleben. Mehrfache Versuche der Hopi, im Weißen Haus vorzusprechen und vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen ihr Wissen weltweit zu teilen wurden ignoriert. Der Auftrag, mit der westlichen Kultur in Dialog zu treten, ist ebenfalls Teil ihrer Überlieferung.

Die Erde warnt uns – es gibt eine Alternative

Zitate von John Mohawk

„Die Indianer haben das prophezeit – das Kommen einer Zeit des Zusammenbruchs des Westens … Die Zukunft – auf lange Sicht gesehen – sieht sehr erschreckend aus …Es ist nicht unmöglich, dass Leute leiden werden, weil die Sozialprogramme scheitern, weil die Wirtschaftsprogramme scheitern, weil vielleicht das ganze Wirtschaftssystem scheitert. Und eine Alternative dazu, die einzige Alternative, die jemals von Menschen erfolgreich durchgeführt wurde, ist, dass Gesellschaften geschaffen werden, die viel weniger Energie, viel weniger von allen Dingen verbrauchen.
Aber sie müssen auf einer Reihe von Glaubenshaltungen und Voraussetzungen gegründet werden, auf menschliche Gemeinschaften, die nur mit dem indianischen Begriff von Spiritualität definiert werden können …
Wir sprechen hier nicht über das Christentum des 4. oder des 5. Jahrhunderts.Wir sprechen nicht über ein System, das Feudalismus oder Kapitalismus aufrecht erhält, wie wir es kennen. Wir sprechen über einen Weg für Menschen, in Verwandtschaft mit der Natur, dem Land und in gegenseitiger Verwandtschaft miteinander zu leben …
Wenn man die Indianer über eine spirituelle Beziehung sprechen hört, dann meinen sie nicht, in die Kirche zu gehen, niederzuknien und zu beten, sondern sie reden davon, eine echte Beziehung zur Nahrung, die sie essen, zu haben, zum Wasser, das sie trinken, und zum Haus, in dem sie leben, zu den Leuten um sie herum.
Sie sprechen von einer sozialen Struktur. … Der spirituelle Weg der Hopi ist eine Gesellschaftsform, nicht ein gedanklicher Zustand; er ist gesellschaftliche Realität. Sie sagen: `Wir müssen zum Weg der Spirits zurückkehren.“

 

 

Wiederholt hat Alexander den Besuch von indianischen Persönlichkeiten in Österreich ermöglicht. So war er auch an der Organisation der Veranstaltung mit Tom Porter (am Plakat mit seinem Sohn Aroniennens) beteiligt. Tom Porter ist Mitglied des Bärenclans der Mohawk-Nation von Akwesasne im Norden des Bundesstaates New York. Die Mohawks sind die heute größte Nation der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), meist Irokesen genannt.

Wetterveränderungen, Erdbeben, Baumsterben – die Krankheitssymptome dieses lebenden Körpers namens Erde sind eigentlich für jeden sichtbar. Doch ihr wendet euch ab, ohne zu begreifen, dass ihr zu dem kranken Körper gehört. Ihr seht und hört nicht die Botschaft der Erde, aber ihr folgt den Botschaften des Fernsehens. TV ist ein Bestandteil eurer Realität geworden. Eure Politik ignoriert die Erde. Ihr vergesst die Generationen, die nach euch kommen, und schafft euch eine Umwelt, die eurer Raumfahrt-Fantasie entspricht. Der moderne Mensch ist das Produkt der Umwelt, die er sich geschaffen hat. Sonne und Wind, Bestandteile der heute ignorierten Realität, werden in Zukunft die Lebensqualität auf eine neue Art bestimmen. Vielleicht muss unsere gegenwärtige Zivilisation, die sich auf das Verbrennen fossiler Brennstoffe stützt, erst zusammenbrechen, bevor der moderne Mensch erwachsen wird.

Aus: Alexander Buschenreiter, “Unser Ende ist euer Untergang. Die Botschaft der Hopi an die Welt”, Authal 2018, außer letzter Absatz aus: “Botschaft an die Europäer”, aufgezeichnet von Claus Biegert, übersetzt von Frank H. Stuckert, Broschüre, herausgegeben von Incomindios Schweiz 1987. Der Schriftsteller, Philosoph, Historiker und Aktivist John Mohawk (30. August 1945 – 13.Dezember 2006) gehörte zum Turtle-Clan der Seneca im Cattaraugus Indianerreservat im westlichen Bundesstaat New York. Er absolvierte das Hartwick College 1967 mit einem Bachelor of Arts in Geschichte und promovierte zum Doktor der University of Buffalo. Er wurde Universitätsdozent für indianische Philosophie und Geschichte und widmete sich dem Aufbau einer Mais-Saatgutbank. Alexander Buschenreiter besuchte ihn und Tom Porter 1981, als John Mohawk Chefredakteur der damals bedeutendsten indianischen Zeitung, der “Akwesasne Notes” war. John Mohawk war ein bedeutender Visionär der sieben Nationen der Irokesenkonföderation. Er nahm eine außerordentlich wichtige Rolle ein bei der Gestaltung der intellektuellen Brücke der traditionellen indianischen Bewegung zur nationalen und internationalen Gemeinschaft. Die Zitate stammen aus den Jahren 1973-1984.

Weitere Bücher von Alexander Buschenreiter (antiquarisch und in Bibliotheken verfügbar): „MIT DER ERDE – FÜR DAS LEBEN. Der Hopi-Weg der Hoffnung“, Verlag Hermann Bauer„SPUREN DES GROßEN GEISTES. Indianische Weisheit der Gegenwart“, Lamuv-Verlag

Alexanders vielseitiges & kreatives Leben

Der gegenüber Menschen, die sich in anderen Kontinenten, für andere Völker engagieren, manchmal geäußerte Vorwurf, sie würden damit zu wenig für ihr eigenes, heimatliches Umfeld tun, geht bei Alexander mitsamt seiner Familie völlig ins Leere. Er war 1995 mit seiner Frau Angela Initiator und engagierter Mitarbeiter vom Jugendkulturprojekt MOVE!, das sich von 2001 – 2015 zu iMPULS Aussee/BÜHNE Authentic weiter entwickelte.

Bei der Präsentation des Buches „Unser Ende ist euer Untergang“ am 10. Mai 2019 in Bad Mitterndorf begeisterten Alexanders Tochter Ronja (Gesang) und Schwiegersohn Pavel (Violine, Mandoline) mit wunderschönen Interpretationen indianischer Musik. Foto: H.B.

Durch Landesförderungen konnte unter der Projektleitung von Angela Buschenreiter und der Geschäftsführung und Mitarbeit von Alexander ein umfassendes Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene umgesetzt werden: mobile Beratung, Workshops und 18 Bühnenproduktionen mit Hip Hop und Breakdance-Choreos, teils mit kabarettartigen, gesellschaftskritischen Szenen, immer mit Gesang und Musik. Dank einer finanziellen Unterstützung durch die Stadtgemeinde Bad Aussee war es möglich, zentral gelegene Räume anzumieten und durch zusätzliche Fördergelder vom Sozialhilfeverband Liezen konnte die Tätigkeit auf das steirische Salzkammergut und das Ennstal im Bezirk Liezen erweitert werden.

Ensemble „die butterlosen brote – mehr als theater“ 2019 mit Fam. Buschenreiter, F.: Theresa Schlag

Die bereits legendären Shows von iMPULS Aussee begeisterten nicht nur im Kurhaus Bad Aussee, im CCW Stainach und im Kulturhaus Liezen, sondern auch im Rockhouse Salzburg, im Theater Akzent und im OFF-Theater in Wien. „Wir danken allen, die an uns geglaubt und uns in diesen zwanzig Jahren unterstützt haben. Insbesondere danken wir den jungen Menschen, die uns ihr Vertrauen geschenkt und mit uns zusammengearbeitet haben. Wir
wünschen ihnen, dass sie ihre Kreativität erhalten und – so wie wir selber – etwas aus dieser gemeinsamen Zeit für ihr weiteres Leben mitnehmen“, formulierte Angela Buschenreiter für das Team von iMPULS Aussee gegenüber der Wochenzeitung meinbezirk.at.


Die Familie Buschenreiter beteiligte sich auch am Aufbau eines Bienen-Schaugartens und organisierte jährliche Bienenfeste in Bad Mitterndorf. Sie engagiert sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt, die auch in dieser noch weitgehend intakt erscheinenden Gebirgsregion bereits stark gefährdet ist. 2016 gründen beide mit überwiegend langjährigen Mitwirkenden in Produktionen von iMPULS Aussee/BÜHNE Authentic das Ensemble „die butterlosen brote – mehr als theater“ zur Einstudierung von bisher zwei neuen Bühnenstücken von Angela Buschenreiter, die u.a. im CCW Stainach und im Souterraintheater des Café Prückel in Wien aufgeführt wurden.          Abbildung rechts oben: Kräuterensemble, Foto: A.B.

Fragen & Antworten

HB: Was auffällt, die Lebensweisen der First Nations gründen sich auf den Respekt vor dem Leben und der Natur. Frauen sind da führend vertreten, wie z.B. Mary und Carrie Dann, Janet McCloud, Winona LaDuke). Bei den Hopi treten aber Frauen nach außen kaum in Erscheinung. Worauf gründet sich diese Haltung?

AB: Ich kann es mir nur so erklären, dass bei den Hopi die Männer für die Zeremonien und im Rahmen dessen auch für die Weitergabe der mündlichen Tradition verantwortlich sind und deshalb auch nach außen aktiver als die Frauen. Die Frauen verfügen über das Land und das Haus und haben dadurch eine andere, ausgleichende Position. Unterschiede gibt es allerdings, wenn eine Frau zur Kikmongwi wird, wie Mina Lansa in den 1960er/70ern. Dann tritt sie auch als Frau nach außen auf. Außerdem sind die Frauen im Herbst mit dem „Korbtanz“ öffentlich präsent, nehmen im Sommer an der „Heimkehrzeremonie“ und dem „Schmetterlingstanz“ teil. In Krisenzeiten haben sich allerdings auch Elders wie Carolyn Tawangiouma aus Hotevilla und andere öffentlich zu Wort gemeldet.

HB: Gibt es nun auch Covid 19-Erkrankungen bei den Hopi und anderen First Nations?

AB: Leider ja, wobei die Navajo als größte und die Hopi umschließende indianische Nation am .meisten davon betroffen sind. So waren z.B. am 7. Mai 2020 2757 Navajo positiv getestet und 88 an Covid-19 verstorben, bei den Hopi 52 positiv und 4 verstorben. Siehe Link: https://navajotimes.com/ cocoronavirus-updates/covid-19-across-the-navajo-nation/

HB: Ich erinnere mich an die 500-Jahres-Feierlichkeiten zur sogenannten Entdeckung Amerikas, die für die dort seit vielen Jahrhunderten lebenden Menschen mit Diskriminierung, Vertreibung, Genozid und Ökozid verbunden wird. Dort ist scheinbar ein Mythos verbreitet, der besagt, alle 500 Jahre drehe sich die Welt in eine andere Richtung. Ehrlich gesagt, habe ich das damals nicht ernst genommen. Angesichts der Ereignisse seither kann ich so einer Sichtweise doch einiges abgewinnen. Was meinst Du dazu?

AB: Da ist was dran, mehr weiß ich auch nicht. Allerdings werden unsere Korrekturmöglichkeiten immer geringer. Wir sind mitten in der letzten Phase vor dem Tag der Läuterung, wie ihn die Hopi bezeichnen, davon bin ich überzeugt.

HB: Es gab ja Ende März die Nachricht, dass die kanadische Regierung auf Grund der Ansteckungsgefahren den Indigenen des Landes empfohlen hatte, sich in abgelegene Gegenden zurückzuziehen. Lakonisch sollen sie geantwortet haben: „Kein Problem, es wurde uns ohnehin prophezeit, dass wir eines Tages in unsere ursprüngliche Heimat zurückkehren würden.“ Stimmt das?

AB: Ja, das machen auch Indigene anderswo, die noch ihre Wurzeln kennen und wissen, wie man ohne den Technik-Schnickschnack unterer Industriegesellschaften überlebt, hart, aber gut.

 

Kontakt und Infos, auch über die Hopi, andere Indigene und Buschenreiters Publikationen auf der Website http://www.impuls-aussee.at. Schlussbemerkung des Autors: Dank Alexanders Nachbearbeitung ist nun der vorliegende Text auch als (autorisierte) Biografie anzusehen.

 

 

 

 


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Nach sechs Wochen wurde der Lockdown im Niger beendet und die Kinder durften letzte Woche zurück in ihre Schulen. Allerdings mit ähnlichen Maßnahmen (Abstandhalten und Händewaschen) wie in Österreich. Um die verlorene Zeit wett zu machen, wird im Niger vermutlich ein Teil der Ferien gestrichen werden. Umso nötiger brauchen die Kinder Essen.

Dank großzügiger Spenden konnte die von Ines Kohl und Akidima Effad gegründete Hilfsorganisation IMARAN den beiden Schulen in Intadeynawen und Inguilechan schnell ein Budget von 2.000 EURO schicken, mit dem sie nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch große Wasserbehälter für jede Klasse ankaufen konnten. Auch wenn Covid-19 in der Sahara zum Glück (noch) kein Thema ist, so ist Hände waschen mit Seife unter fließendem Wasser etwas ganz Besonderes für die Kinder. Und wichtig – weniger wegen Corona, als für die generelle Hygiene im Alltag. Die gekauften Nahrungsmittel (Reis, Nudeln, Öl, etc.) werden den Sommer über ausreichen.

Der Staat Niger hatte während des Corona-Lockdowns keine Gehälter bezahlt. Auch hier konnte IMARAN einspringen und hat den jeweils drei Lehrerinnen und Lehrern und den beiden Köchen der Schulen ein Monatsgehalt finanziert. Das ist wichtig, denn ohne Bezahlung kann es sich niemand leisten an einer Schule in der Sahara zu unterrichten. Auch das Lehrpersonal hat Familien zu versorgen.

IMARAN sagt DANKE für die Spenden!

Ines Kohl & Akidima Effad

Lasst euch von den Fotos, die unser Haus & Hof-Fotograf Elisu, trotz Wind, Hitze und schlechtem Handy gemacht hat, inspirieren. Den Kindern geht es gut und die Freude ist groß!

Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, BIC: RLNWATWW, IBAN: AT10 3200 0000 1018 7037

Website: http://www.ines-kohl.com/imaran/


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 Von Hans Geißlhofer (Mitarbeit Hans Bogenreiter).

Die weltweite Krise hat auch den afrikanischen Kontinent völlig unvorbereitet getroffen. Als langjähriger Entwicklungshelfer war ich zuerst der Meinung, die Ausgangsbeschränkungen und die oft unpraktikablen Hygienevorschriften wären überzogen, und verursachen nur noch mehr Leid bei den Ärmsten, die sich weder an Abstände halten, noch regelmäßig waschen oder gar desinfizieren können. Und Afrika lebt ja seit Jahrhunderten mit dem Tod im Angesicht: Sklaverei, Ausbeutung, Dürren, Überschwemmungen, Epidemien wie Cholera, Aids und Ebola etc. Es gibt auch viel zu wenig Test-Möglichkeiten, und die modernen Gesundheitssysteme, die am Land nie wirklich funktioniert haben, wurden durch die neoliberalen Auflagen des Währungsfonds nun endgültig kaputtgespart. In dieser Situation wendeten sich – schon lange vor Corona – viele Leute wieder ihren eigenen Heilpflanzen zu. Es gibt einfache pragmatische Einschätzungen, bei welchen Krankheiten man wohin gehen sollte, bei manchen ist Schulmedizin unumgänglich, bei anderen geht man lieber zum traditionellen Heiler. Auch die österreichische EZA unterstützte jahrelang ein Projekt, in dem die Wirkungen von moderner und traditioneller Medizin im Senegal wissenschaftlich verglichen wurden.

Hans Geißlhofer arbeitete fast 40 Jahre vor Ort in der Entwicklungszusammenarbeit, vor allem in Afrika (hier im Senegal). Foto: H.G.

Es war von dem, leider vor einigen Jahren verstorbenen, Professor für Ethnomedizin Dr.Dr. Armin Prinz 1986 initiiert worden, und wurde von der in Dakar ansässigen Umwelt-NGO ENDA mit der Uni von Dakar – die dazu einen Heilpflanzengarten anlegte – und einer Heiler-Kooperative durchgeführt. In Madagaskar gab es seit 1975 auf Initiative eines engagierten Professors, Albert Rakoto Ratsimamanga, Gründer von IMRA (Madagassisches Institut für angewandte Forschung) den Aufbau einer eigenen Heilpflanzenproduktion gegen Malaria auf Basis von Artesimia annua, einem uralten chinesischen Heilkraut, das auch in Teilen Europas wächst. Diese Pflanze war auch vom Vietcong im Vietnamkrieg verwendet worden, und hätte dadurch sogar indirekt zum Sieg beigetragen, da sie die Partisanen besser vor Malaria geschützt hat, als die von den Amerikanern verwendeten Medikamente. Sie wurde dann auch in Madagaskar und anderen Ländern zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria erfolgreich eingesetzt, und sogar von der WHO 2001 empfohlen. Allerdings hat man diese Empfehlung 2004 wieder zurückgezogen. In der Zwischenzeit hatten sich aber schon viele Bauern auf den Anbau spezialisiert und sie produzierten ganz einfach weiter, für den Eigenbedarf und zum Export in die Nachbarländer.

Als die Corona Krise ausbrach, war auch die Tante des jungen madagassischen Präsidenten Andry Rajoelina (Foto rechts, Wikimedia) betroffen, und nachdem eine Behandlung mit dem Malaria-Mittel Hydrochloroquin nicht fruchtete, versuchte man es mit Artemisia, und die Tante war nach 2 Tagen gesund. Der Präsident ließ das Mittel mit dem Namen COVID-Organics dann auch noch vom Forschungsinstitut IMRA in Tananarivo im Schnelltest untersuchen. Das positive Ergebnis kommunzierte er in einer Videokonferenz der Organisation für afrikanische Einheit an viele Präsidenten afrikanischer Staaten.

Einige dieser Länder bestellten sofort Probe-Lieferungen. In Guinea-Bissau waren sowohl der Premierminister als auch vier weitere Regierungsmitglieder an Corona erkrankt, und so wurde das Flugzeug mit den ersten Proben Anfang Mai dorthin geschickt, und diese wurden auch in Nachbarländer verteilt. Der Tschad hat nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem Gesundheitsminister, der zuerst dagegen war, aber nach der Kritik der Opposition, er sei nur den Pharmaziekonzernen verpflichtet, nun sogar das Flugzeug des Präsidenten zum Besorgen des Medikaments Mitte Mai nach Atananarivo geschickt. Und Südafrika bietet zur selben Zeit Madagaskar an, die notwendigen Tests für eine internationale medizinische Zulassung und Patentierung des Mittels durchzuführen. Aber es gibt immer noch viel Kritik an diese Vorgangsweise. Die madagassische Akademie der Wissenschaften warnt von etwaigen Nebenwirkungen, aber der Kardinal von Antananarivo Msgnr. Tsarahazana hat das Mittel sehr empfohlen, das berichtete sogar Radio Vatikan auf seinem Portal als erstes europäisches Medium! Das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika empfahl am Montag (4. Mai), neue traditionelle Arzneibuchtherapien für Covid-19 vor groß angelegten Studien rigoros zu testen: „Afrikaner verdienen es, Medikamente zu verwenden, die nach den Standards getestet wurden, die für Medikamente gelten, die für Menschen auf der ganzen Welt hergestellt werden”, heißt es in einer Erklärung auf ihrer Website. Darüber haben auch Le Monde, Liberation und Le Point in Frankreich berichtet, und dabei in skeptischem Unterton auf die Versuche in Madagaskar verwiesen, ohne aber auf die Möglichkeiten und Grenzen dieser Heilpflanzentherapie genauer einzugehen. Nun gibt es aber derzeit kein anderes Mittel das sich zu einem schnellen Einsatz empfiehlt. Hydrochloroquin wurde zwar Jahrelang als Malariaprophylaxe eingesetzt, wobei dann aber der Erreger resistent wurde. Bei höherer Dosierung sind gefährliche Nebenwirkungen zu verzeichnen. Remdesivir das gegen Ebola entwickelt wurde ist nun in den USA zugelassen, wird nur in den Intensivstationen eingesetzt, aber wäre in Afrika ohnehin unerreichbar teuer. Natürlich wäre es besser, wenn die traditionelle Medizin genauso rigoros geprüft würde, wie die modernen Medikamente. Aber das finanziert eben niemand! Diese Behandlungen werden als Scharlatanerei verpönt, und westliche Überheblichkeitsgefühl mit eurozentrischen Untertönen feiert fröhliche Urständ.

Dr. Cornelia Wallner-Frisee (Africa Amini Alama) und der Permakulturlehrer Paolo präsentieren Moringa-Samen, Foto: Fabian Vogl  

Nun gibt es aber bereits erfolgversprechende Berichte von MedizinerInnen vom Einsatz von Artemisia. Zusammen mit Moringa wird es in Tablettenform z.B. in Tansania von den österreichischen Ärztinnen DDr. Christine Wallner und deren Tochter Dr. Cornelia Wallner-Frisee erfolgreich eingesetzt: „In Zeiten wie diesen können wir nicht auf groß angelegte Studien warten. Wir müssen handeln und auf altbewährte, kostengünstige Mittel zur Stärkung des Immunsystems zurückgreifen. Und wir sehen, dass es hilft.” Christine Wallner hat in Momella 2009 das Entwicklungsprojekt Africa Amini Alama gegründet. Am 11. Mai 2020 veröffentlichte die in Paris erscheinende und in Afrika vielgelesene Zeitschrift „Jeune Afrique“ ein ausführliches Interview mit der erfahrenen afrikanischen Ärztin Dr. Luisa Dologuélé (frühere Programmmanagerin der UNDP im Kongo und langjährige Forscherin über die Bekämpfung des Chikungunya Virus in der Republik Kongo), worin sie u.a. sagte: „Artemisia annua ist eine bekannte Pflanze, die in China seit mehr als zweitausend Jahren gegen intermittierendes Fieber eingesetzt wird. Sie wurde dann während des Vietnamkrieges verwendet, und dann auch in Afrika. Ihre Wirkung gegen viele Erkrankungen wie parasitäre Krankheiten wie Malaria oder Bilharziose wird traditionell anerkannt. Wir haben daher alle notwendigen Einblicke, um zu wissen, dass der aus dieser Pflanze hergestellte Kräutertee ohne Risiko und ohne Nebenwirkungen ist, was in einer Notsituation wie der von Covid-19 ein wertvolles Gut ist.“ Dr. Dologuélé meinte auch ein Budget von rund 2 Millionen Euro würde ausreichen, um wissenschaftlich festzustellen, ob Artemisia annua gegen Covid-19 wirksam ist. Daher wird gerade ein Hilfsfonds aufgestellt, bekannte afrikanische Stars sollen dies untersützen. https://www.jeuneafrique.com/942074/societe/coronavirus-loms-doit-faciliter-les-recherches-sur-lartemisia/

Der Permakulturlehrer Paolo von Africa Amini Alama mit der Moringa-Pflanze, Foto: Fabian Vogl

Einer der schon lange über die Artemisia-Pflanze und ihre heilende Wirkung gegenüber Malaria in Afrika gearbeitet hat, ist Dr. Jérôme Munyangi, Absolvent der Medizin an der Universität von Kinshasa und Inhaber eines Masters an der Paris Diderot University und eines weiteren an der Universität von Ottawa. Er schickte dem wissenschaftlichen Beirat des Gesundheitsministeriums in seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo, sein Behandlungs-Protokoll zum Einsatz der Heilpflanze gegen COVID-19, das er mit Hilfe der französischen NGO „Maison de l’Artemisia“ ausgearbeitet hatte. Vorerst gab aber es keine Reaktion. Danach aber hat der Präsident Tshisekedi auch eine Probe des Medikaments aus Madagaskar bestellt. „Als die Covid-19-Krise begann, hatte ich bereits schon länger an dieser Pflanze gearbeitet und wir, haben einen daraus hergestellten Kräutertee mit einem Medikament namens „Interferon“ verglichen. Es besteht aus einem Molekül, das auch gegen Corona vermarktet wird. Wir haben die Effekte des Aufgusses beobachtet und das Ergebnis war spektakulär. Der Kräutertee war bei Coronaviren wirksam”, schwärmt Dr. Munyangi über seine Erfahrungen.

Frauenpower bei Africa Amini Alama, ganz oben im Feigenbaum die Gründerin, DDr. Christine Wallner, darunter ihre Tochter Cornelia. 

Ich bin absolut kein Anhänger irgendeiner Verschwörungstheorie. Dass die pharmazeutischen Konzerne im brutalen Konkurrenzkampf um weltweite Märkte für Medikamente und Impfungen nicht an der Propagierung von Heilpflanzen interessiert sind ist ein systemisches Phänomen des Monopolkapitalismus frei nach Karl Marx und nicht das eines einzigen Bösewichtes oder irgendeines Geheimbundes. Wobei Afrika akzeptiert, dass Heilpflanzen nur als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet werden dürfen, weil sie ansonsten Gefahr laufen von der WHO und Pharmaindustrie gemaßregelt zu werden. Wobei ehemalige WHO Mitarbeiter zugeben, dass der Einfluss der Konzerne in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat, im Film „Malaria Business“ des belgischen Fernsehens (via Youtube in Französisch und Englisch zu sehen) sehr plausibel präsentiert. Ob dieser Einfluss dafür ausschlaggebend war, dass die WHO Artesimia zuerst empfohlen, und dann wieder verboten hat, kann ich hier nicht beurteilen. Aber wo bleibt der kritische Journalismus und das Aufdecken von vermuteter Korruption in diesem Zusammenhang? Natürlich waren wir alle in Schockstarre wegen der raschen Ausbreitung der Pandemie, und ich mache meinen grünen Freunden absolut keinen Vorwurf, sie mussten ja mit wenigen verfügbaren Experten rasch entscheiden. Aber dass kritische Beiträge unerwünscht sind, damit ja keine Zweifel an den drastischen Maßnahmen aufkommen, ist mehr als kontraproduktiv. Viele Leute greifen dann erst recht zu dubiosen Internet Kanälen, wo sie zugleich mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit mit „infiziert“ werden. Dass erfolgreiche Initiativen zum Einsatz von Heilpflanzen aus Afrika unerwähnt bleiben oder grundsätzlich mit Skepsis bedacht werden auf ist eigentlich ein Skandal – bei aller Vorsicht gegenüber zu schnellen medizinischen Erfolgsmeldungen. Auch Österreichs Medien verhielten sich dazu bisher bedeckt und die renommierte Deutsche Welle (DW) sprach dann von einem „angeblichen Wundermittel“. Immerhin berichtete die DW auch davon, dass das Max-Planck-Institut in Potsdam das Naturheilmittel Covid Organics (Kräutertrunk auf Basis der Artemisia-Pflanze mit dem Wirkstoff Artemisinin) testen wird (Quelle: dw.com, 13.5.2020). Die Sache ist also nun ein außerordentliches Politikum geworden: „Es ist eine Frage der Souveränität“, sagt der Präsident Madagaskars.

Auch Professor Daouda Ndiaye hält viel von der erwähnten Therapie. Als Fachmann für Parasitologie-Mykologie der Uni Dakar (Hauptstadt von Senegal) und Experte für Malaria Behandlungs-Resistenzen der WHO und Erfinder eines revolutionären Malaria-Tests, bringt er auch Afrikas Diskriminierung in dieser Debatte zur Sprache: „Ich spreche für das Prinzip. Heute hat jeder das Recht, klinische Studien durchzuführen. Ich denke, die Afrikaner haben wie alle anderen das Recht, die Wirksamkeit zu testen. Unsere madagassischen Kollegen haben es getan, was wir begrüßen. Im Prinzip muss dies also akzeptiert werden.“

Foto oben: 106 Jahre ist der Meru (Volk, das hauptsächlich in Kenia und teilweise in Tansania lebt). Foto: Africa Amini Alama

Titelfoto: Kinder mit Pulver von Früchten des Baobab. Der afrikanische Affenbrotbaum kann bis zu 2500 Jahre alt werden und einen Durchmesser von 12 Metern erreichen. In Afrika gilt er seit Jahrhunderten als traditionelles Nahrungs- und Heilmittel. Nicht umsonst wird der Baobab-Baum auch Apothekenbaum, Baum des Lebens oder sogar Zauberbaum genannt. Foto: Africa Amini Alama

 


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Auch SAT (Sustainable Agriculture Tanzania, Nachhaltige Landwirtschaft Tansania) muss sich mit den Gefahren der Ausbreitung von Covid-19 auseinandersetzen. Die Gründer, der Vorarlberger Alexander Wostry und seine tansanische Frau Janet Maro, haben bereits (Hygiene)-Maßnahmen getroffen. Die Arbeiten auf den Feldern und bei der Ausbildung gehen aber weiter. Es wurden gerade Workshops für Forstwirtschaft und den Anbau von Kardamon vorbereitet. Alexander Wostry sieht das Coronavirus als einen Weckruf: „Wenn wir jetzt nicht überdenken, wie wir mit dem Klimawandel umgehen, dann schlittern wir direkt in die nächste Krise. Ich glaube, dass diese ganze Geschichte, das Auseinandersetzen mit Hygiene, Sicherheit und so weiter im Zusammenhang mit dem Coronavirus der biologischen Landwirtschaft einen Aufschwung verleihen wird. Erstens, weil sie Ernährungssicherheit garantiert, und zweitens, weil die Umstellung auf Bio auch eine gute Möglichkeit ist, Arbeit zu beschaffen. So glaube ich, dass wir mit der Krise ein neues System aufbauen können. Wir müssen uns jetzt unserer Wünsche und Ziele bewusst werden, um diese vor Augen zu haben, sobald wir die Krise hinter uns gelassen haben. Man darf Afrika nicht vergessen. Die Krise, die wir gerade bewältigen müssen, ist global.“ (Auszug aus Interview mit biovision.ch)

Tansanische Kleinbauernfamilien kann man übrigens mit dem Ankauf von Gewürzen unterstützen. Sie wollen ihre Produkte ein erstes Mal exportieren. Damit sich der Transport lohnt, müssen mindestens 500 Pakete bestellt werden. Am 6. Mai fehlten noch 182 Bestellungen: https://www.gebana.com/projects/ch/project/information/51

Website: www.nlo.at


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DDr. Christine Wallner hat 2009 die Initiative „Africa Alimi Alama”  ins Leben gerufen. Sie lebt direkt vor Ort in Momella im Norden Tansanias und leitet den Verein, der vor allem im Bereich Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft tätig ist, gemeinsam mit ihrer Tochter Mag. Dr. Cornelia Wallner-Frisee mit großem Herzen und unermüdlichem EinsatzÖ: „Wir realisieren dies mit Unterstützung von Spendern und Helfern und freuen uns über jede Unterstützung.” Sie haben nun ein Covid-19 Notfall-Paket geschnürt, das arme Familien unterstützen soll. Auch hier hat sich die Lage dramatisch zugespitzt, was schon aus der Einleitung ihres Aufrufes hervorgeht: „Der Tourismus ist zum Stillstand gekommen und so auch die Wirtschaft des Landes. Die Menschen hier haben Angst – nicht nur Angst um ihre Gesundheit, und ob sie sich vor dem Virus schützen können, sondern es sind die Existenzängste, die sie in ihrem Inneren erschüttern. Viele können ihr tägliches Brot nicht mehr verdienen.“

 

Dazu kommt, dass es Ende April in der Gegend nach heftigen Regenfällen zu Überschwemmungen gekommen ist, die zu großen Ernteausfällen führen werden. Das 45 Euro-Paket besteht aus: Schutzmaske, Seife, Baobab und Moringa (liefern Multivitamine), Mais, Bohnen, Hirse, Übungsblätter für die Schule. Mit vitaminreichem Essen und Bildung soll damit das Überleben von armen Familien gesichert werden. ASANTE SANA.

Spendenkonto: IBAN: AT141200051846031508, Betreff: Covid 19 Notfall-Paket.

Website: www.africaaminialama.com

Projektvorstellung: https://www.solidarische-abenteuer.at/tansania-africa-alimi-alama-afrika-ich-glaube-an-dich/


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