Tansania: Africa Amini Alama – Afrika, ich glaube an Dich!

Amini-frauenpower-web„Vertrauen ist die Basis und schafft Zuversicht.“ So umschreibt die Wiener Juristin und Ärztin DDr. Christine Wallner, die Grundprinzipien des Vereins Africa Amini Alama den sie 2009 ins Leben gerufen hat. Sie lebt direkt vor Ort im Norden Tansanias und leitet die Initiative gemeinsam mit ihrer Tochter Mag. Dr. Cornelia Wallner-Frisee mit großem Herzen und unermüdlichem Einsatz. „Wir realisieren dies mit Unterstützung von Spendern und Helfern und freuen uns über jede Unterstützung.“ Ihren Hauptsitz hat der Verein im Dorf Momella, malerisch gelegen auf der Hochebene zwischen dem Kilimanjaro und dem Mount Meru. Cornelia Wallner schreibt über das Lebenswerk ihrer Mutter, das erst in Afrika aufgeblüht ist: „Der Ruf in Afrika zu wirken begann schon in Ihrer Kindheit. Schickschalsschläge ermöglichten ein rasches inneres Wachstum und die Einsicht, dass Vertrauen auf die innere Führung tatsächlich Heilung bewirken kann. Dieses Prinzip wurde in eigener Praxis 20 Jahre umgesetzt und weitergegeben. Gemeinsam mit meiner Mutter konnten wir bei Heilern aus aller Welt wertvolle Erfahrungen sammeln und selbst den Platz finden, wo wir wirken sollten.
2007 wurde die Freude nach Afrika zu gehen so stark, dass sich Wege öffneten, dort etwas Neues zu beginnen: eine Krankenstation zu bauen, die von der lokalen Bevölkerung dringend benötigt wurde. Meine Mutter ließ sich menschlich und finanziell mit ganzem Herzen ein. So entstanden neben der Krankenstation viele kleine Projekte als Teil der Familie, die jetzt den Namen Africa Amini Alama tragen. Durch das Mitwirken vieler Menschen aus Afrika und Europa entsteht nun ein Feld der Stärke, der Liebe und des Vertrauens. Mit Unterstützung von Spendern und Helfern werden wir dieses Werk weiterführen. Afrikaner sollen die Früchte ernten, um den Samen selbst wieder in die Erde einsetzen zu können.“

Schwerpunkt Medizin

Amini-Betten-webDie Krankenstation in Momella, das Kernstück von Africa Amini Alama, wurde im Mai 2010 eröffnet. Sie sollte der Versorgung der Maasai und Meru aus der umliegenden Gegend, einem Einzugsgebiet von über 8.000 Menschen, dienen. Mittlerweile werden über 20.000 Patienten pro Jahr behandelt. Sie bekommen eine umfassende medizinische Betreuung. Neben den zwei österreichischen Ärztinnen Christine Wallner und Cornelia Wallner-Frisee wird die Krankenstation von einem Team afrikanischer Ärzte geführt. Mittlerweile sind wir dank des breiten Services und der Unterstützung der lokalen Behörden zu einem Health Center aufgestiegen. Viele Patienten kommen für die Behandlung von akuten und chronischen Wunden von weit her, um neben der schulmedizinischen Abklärung und Betreuung vor allem auch jene Behandlungen zu bekommen, welche wir im Naturheilkunde-Zentrum, das 2014 offiziell registriert wurde, anbieten. Als Teil des staatlichen Systems muss aber von jedem Patienten ein Euro für die Behandlung verlangt und dem Staat abgeführt werden. Alle jene Patienten, die sich dies nicht leisten können, bekommen daher von Afrika Alimi Alama eine Versicherungskarte, welche eine gratis Betreuung ermöglicht. 7 Euro kostet eine solche Versicherung, die es einer Familie mit 6 Personen ermöglicht, ein Jahr lang versichert zu sein.

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Wirkliche Veränderungen beginnen in jener Generation, die jetzt heran wächst. Dort anzusetzen ist ein großes Anliegen. Vor drei Jahren wurde begonnen, vielen Kindern in der Nariva Academy zu einer englischsprachigen Ausbildung zu verhelfen. Diese wurden von den Dorfchefs aus den ärmsten Familien ausgesucht. Mittlerweile ermöglicht der Verein dank Patenschaften mehr als 50 Kindern diese erstklassige Ausbildung. Der Ruf nach weitaus mehr englischsprachiger Ausbildung wurde so groß, dass mit dem Bau von weiteren Schulen begonnen wurde: die „Worseg Vision“ von Dr. Artur Worseg in Momella, die „Maasai Vision“ in Ngabobo und die „Simba Vision“ in Madebe, betreut von der Familie Berggold – somit eine Schule im Meru Land und zwei Schulen im Maasai Land. Doch auch ältere Kinder, vor allem Mädchen im Maasai Land, bekommen dank Secondary School Patenschaften die Möglichkeit, nach sehr gutem Grundschulabschluss weitere vier Jahre eine gute Ausbildung zu erhalten. Vor allem Mädchen wird selbst bei sehr guten Noten in den Maasai-Familien oft der Zugang zu höherer Bildung verwehrt, damit sie ehe möglichst verheiratet werden können.

Alimi-Schneiderei1-webWeitere Projekte: 

* die Hill-Foundation sponserte eine Computerschule in Momella mit Gratis-Kursen für Kinder und Erwachsene.

* DI Josef Doppler baute die Berufsschule in Ngare Nanuki, wo Lehrlinge aus armen Familien eine Ausbildung zum Tischler, Maurer oder Mechaniker bekommen. Mittlerweile ist der erste Zwei-Jahres-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen und alle Lehrlinge konnten mit dem offiziellen Veta-Abschlusszertifikat auch tatsächlich eine Arbeit finden.

* Die Schneiderinnen-Werkstätte für die Frauen in Momella begann 2011 mit einer Basisausbildung in der Schneiderkunst und in den letzten drei Jahren konnte Frau Reinhild Wendl die Frauen in die Feinheiten des Schneiderns einführen. Ende 2014 bekamen auch sie ihr erstes Veta-Zertifikat und mit Unterstützung von Helfern und Aufträgen von Africa Amini Alama konnten sie sich als Gruppe selbständig machen.

* Das neueste Bildungsprojekt ist die Plasonig Werkstatt (Garage). Damit wird jungen Menschen ermöglicht, eine Mechanikerlehre zu absolvieren. Die Werkstätte ist ein Vorzeigeprojekt in einer der entlegensten Gegenden Tansanias.

SOZIALES

Die Projekte von Africa Amini Alama befinden sich ausschließlich in einer sehr ländlichen, armen Gegend, wo viele Familien gerade in Trockenzeiten in Not geraten. Der Verein versucht diese Härtefälle aufzufangen und dort zu helfen, wo weder Staat noch der Familienclan unterstützend beiseite stehen. Im Waisenhaus finden bis zu 40 Kinder ein neues Zuhause, unterstützt werden junge Burschen mit Fußballtalent ohne familiäre Stütze, Frauengruppen im Maasai und Meru Land wurden gegründet und helfen vielen Familien in Not, indem Africa Amini Alama regelmäßig Essen und Kleider bringt oder ein Haus baut, um vor Kälte und Regen geschützt zu sein. Dies sind meistens Familien, in denen die allein verantwortliche Frau ums Überleben mit ihren vier bis acht Kindern kämpft. Gerade in den Maasai Gegenden gibt es eine akute Wassernot. So wurde eine Reihe von Wasserprojekten gestartet, die die Maasai von Ngabobo, Madebe und Ongontukoiti mit sauberem Trinkwasser vom Kilimandscharo versorgen.

Momella, als kleines Dorf am Rande des Arusha Nationalparks, hat eine ganz besondere Vegetation und es ist Africa Alimi Alama ein besonderes Anliegen, den Menschen zu helfen, diesen besonderen Naturschatz auch in Zukunft zu erhalten. Dies spiegelt sich in den Permakultur-Projekten wider.

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Mehr als nur eine Kinderpatenschaft

Patenschaften-webGanz persönlich Pate für ein Kind hier in Tansania/Afrika zu sein ist eine sehr befriedigende Aufgabe. Denn genau dieses Kind kann mit Ihrer Hilfe ein neues, liebevolles Zuhause bekommen oder eine hochwertige Schulausbildung genießen. Viele Veränderungen werden in der Zukunft in jener Generation passieren, die nun heranwächst. Umso wichtiger ist es, genau diesen Kindern eine Basis für eine bessere Zukunft zu geben. In unseren Projekten konzentrieren wir uns auf jene Kinder, welche aus mittellosen Familien stammen, jedoch den Willen besitzen aus der Chance, die Sie ihm geben, etwas zu machen. Eine englischsprachige Schulausbildung ist nur den reichsten Kindern hier möglich und somit wird sich am sozialen Gefälle auch in Zukunft nichts ändern. Doch wenn wir genau jenen Kindern, die derzeit keine Unterstützung von ihren Familien haben, eine gute Ausbildung ermöglichen, werden Sie später einmal große Veränderungen in ihre Familien bringen. Das können Sie mit einer Kinderpatenschaft ermöglichen! Mit Ihrem Beitrag sind Sie ein großer Hoffnungsträger für Veränderungen in der Zukunft in eine der ärmsten Regionen der Welt. Geben Sie einem Kind die Chance, einmal ein besseres Leben führen zu können. Wir senden Ihnen gerne ein Foto und Informationen zu Ihrem Wunschkind von der jeweiligen Schule zu. Weitere Infos: Patenschafts-Koordinator Franz Marksteiner: patenschaften@africaaminialama.com

Einnahmequelle Tourismus

Amini-touri1-webAlimi-Guesthouse-webEine außergewöhnliche Einnahmequelle hat Africa Amini Alama durch den Tourismus erschlossen. Die einzigartige Landschaft rund um den allgegenwärtigen schneebedeckten Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas, lässt das Herz jedes Reisenden höher schlagen. (Regen)Wälder, Savannen, wilde Flüsse, Sumpfgebiete, Steppen und die faszinierten Kulturen der Maasai und Meru bieten Abwechslung in Hülle und Fülle. Daher war die Idee schnell geboren. Frau Christine Wallner investierte Ersparnisse in den Bau von Unterkünften, die keine Wünsche offen lassen. Als Gäste von Africa Alimi Alama erhalten die Urlaubenden einen speziellen Zugang zu Familien und Traditionen der Massai und Meru. Das „Animationsprogramm“ ist alles andere als 08/15: Einblicke in die lokale Bienenzucht, Permakultur und Sozialprojekte, Eselwanderungen durch die Savanne, Speerwurftraining mit den Maasai-Männern, traditionelles Handwerk der Maasai-Frauen kennenlernen, Panorama-Sauna mit Naturpool, Bergtouren zum Kilimanjaro, Mount Meru und Mukuru, Safaris mit Übernachtung im Zelt udgl. mehr. Auf diese Weise kommen sich Urlaubende und Einheimische sehr nahe, werden Beziehungen oder sogar Freundschaften geknüpft und last but not least werden durch die Einnahmen aus dem Tourismus die Projekte von Africa Alimi Alama unterstützt. Mehr Infos: www.africaaminilife.com

Ein Überraschungsbesuch trägt Früchte

Bericht von Cornelia Wallner-Frisee, 23.Oktober 2014

Amini-ministerbesuch-web„Quick come to the dispensary“ ruft Charles mich an… Eine große Delegation aus Dar Es Salam kam unangemeldet zu uns ins Health Center: Der Minister für Tourismus mit dem Chief vom Nationalpark und einem Member of Parliament. Er hat viel von unserer Krankenstation gehört, wollte sich die Örtlichkeit einmal selbst ansehen.. Viele Patienten warteten vor der Krankenstation, er befragte viele, ging durchs Heath Center und Naturheilkundliche Zentrum. „This is a big place in a very remote area, unbelievable, I did never expect this.“ war seine Aussage. Seit drei Monaten verlangt der Nationalpark von den Patienten, die ihn durchqueren müssen über sieben Euro für die Durchfahrt. Viele können sich das nicht leisten. Ein großes Thema in der gesamten Region – der Präsident wurde angeschrieben, viele Politiker um Hilfe gebeten. Africa Amini ist Gast hier, wir können unsere Patienten so gut wie möglich behandeln, doch diese politischen Probleme können wir nicht lösen. Wir haben Unterschriften gesammelt – hunderte – und vorgelegt, doch auch uns waren die Hände gebunden. „Ich war in einem Meeting in Moschi, auch dort wurde ich von jemanden angerufen, der von der Krankenstation hier begeistert war und nicht versteht wie der Nationalpark Geld für die Durchfahrt von Patienten verlangen kann, die Hilfe brauchen“, erzählte uns der Tourismus-Minister. So beschloss er kurzer Hand vorbeizukommen, ein kleiner Umweg von zwei Stunden – es scheint ein politisch wichtiges Thema geworden zu sein. Nach Befragung vieler Patienten, langen Gesprächen vor laufender Kamera (mehr als 15 Journalisten folgten seinem Konvoi) sprach er ein Machtwort: „Ab morgen wird die Zufahrt durch den Nationalpark für Patienten vom Africa Amini Heath Center wieder frei sein!“ Großer Jubel, viele telefonierten sogleich mit ihren Bekannten, die es aber auch abends in den Hauptnachrichten erfahren werden …Zusammen sind wir stark! …und wird der Bedeutung von Africa Alimi Alama gerecht: „Afrika, ich glaube an Dich!“

Infos: Africa Amini Alama Unterstützungsverein, Röntgengasse 3a/3, A-1170 Wien, office@africaaminialama.com, www.africaaminialama.com, Spenden: IBAN: AT141200051846031508, BIC: BKAUATWW

 

„Du verlernst hier sehr schnell das Selbstmitleid“

Reportage von Karin Bauer (Der Standard)

Amini-Wallner-webChristine Wallner hat mit über 60 ihr Leben aus der Wiener Society nach Tansania in die Hochebene zwischen Kilimandscharo und Mount Meru verlegt und dort Sozialprojekte etabliert. Auch mit Tourismus finanziert sie ihre Mission. Momella, 16. April 2015, 11:45, „Mzungu!“ Die Kinder am Rand der Buschpiste zwischen dem Flughafen Kilimandscharo und dem Örtchen Momella, gelegen in der Hochebene zwischen Kili und Mount Meru, freuen sich und winken, lachen, wenn sie „Bleichgesichter“ sehen.

Unterwegs mit Mister Happy

Das geht über eine Stunde so auf der Rumpelstraße mit waschbeckentiefen Löchern und fußballgroßen Steinen. Bestimmt schickt Christine Wallner Erstlingen immer ihren vorsichtigsten Driver – in unserem Fall „Mister Happy“. Zumindest fetzen an uns einige Mopeds und Jeeps vorbei, hinterlassen uns in Staubwolken. Wir kommen aus dem kalten, grauen März-Wien und gewöhnen uns indes an das grelle Licht, an die 35 Grad auf 1500 Metern Höhe, lugen immer wieder zum Kilimandscharo, ob er sich uns nicht doch zeigen möchte aus den Wolkenkronen – er will nicht. Links und rechts warten die kleinen Maispflänzchen auf den Beginn der Regenzeit. Die Bougainvilleen schaffen riesige purpurne Blütenwellen. Die Rinder und Ziegen schauen gar nicht mehr auf, wenn etwas vorbeibrettert.

Man meint schon viel über diese Frau zu wissen, wenn man ihr Buch Mama Alama gelesen hat. Man kommt an und stellt fest: Man weiß nichts über diese Frau aus der Wiener Society, einst Gattin von Ex-Casino-General Leo Wallner, die jahrelang an einer lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankung gelitten hat und sich „durch Selbsterfahrung, auch durch Massai-Medizin“, geheilt hat, zwei Kinder großgezogen und sich dann scheiden hat lassen.

Jahrelanger Weg

Mit 38 startete die Juristin ins Medizinstudium, schloss mit Auszeichnung ab und vertiefte sich in traditionelle Heilkünste, begann mit Reisen. Afrika habe sie schon als Kind gerufen, mit 60 ist sie schließlich dort angekommen, wo sie jetzt lebt. Das Schwierige an Visionen sei, so tief zu gehen, dass es richtig wehtut – dann erst könnten sie wahr werden, sagt sie über ihren jahrelangen Weg in ein komplett anderes Leben. Diese Bruchstücke eines völligen Lebenschange sagen wenig, eigentlich nichts aus über die Frau, wie sie hier und jetzt vor einem steht, unwiderstehlich ansteckend lacht und vom Fortkommen ihrer Projekte Africa Amini Alama (Afrika, ich glaube an dich) erzählt. Ja, sie könne gut reden, attestiert sie sich. Umsetzungsstärke braucht sie nicht zu erwähnen, die 27 Projekte sind ja da. Im (auch als Spendenvehikel gut beworbenen) Buch über ihr Leben fühlt man längst nicht das große Vergnügen, kaum etwas vom Wie – wie diese Frau in diese Savanne gehört, wenn sie aus ihrem Ein-Raum-Lehmhäuschen kommt und ihre Gäste begrüßt. Ihre vier Hunde entscheiden (wie Hunde das immer tun), wie passend der Besuch tatsächlich ist, prüfen, legen sich zur Agave.

Es gibt zur Ankunft – hallo, Massai-Land – „Blut“: einen Cocktail aus Hibiskussaft, Limette und Ingwer. Housekeeper „Peace“ wartet im Hintergrund, Christine Wallner zeigt die Unterkünfte: vom Zelt mit Außenklo bis zum Haus am höchsten Punkt der Hillsite mit unbeschreiblichem Blick auf die Weite der Savanne und der Krönung ihrer touristischen Angebote, der Lodge. Ein ziemlicher Luxusplatz mit Pool, mit Cuisine, wie es eben zu sein hat, wenn Afrika solcherart erlebt werden will. Was sie aus ihrem „alten Leben“ aus Wien mitgebracht hat – etwa einige Jugendstilgläser -, wirkt wie ein koloniales Relikt. Sie lacht und sagt: „Zwei Drittel sind eh schon kaputt von diesen Sachen …“ Ein paar persönliche Stücke aus ihrem Leben im Norden hat sie aber überall platziert. Nur auf Philanthropie und Spenden zu setzen ist für die Christine Wallner nicht nachhaltig genug – Profite aus sanftem Tourismus sollen das Soziale tragen.

Im Gegensatz des Kontinents

Massai-Chor-webAlimi-Schule-webEin kurzes Stocken beim Gang durch die Lodge-Anlage, an der sich im Kleinen dieser große Gegensatz des Kontinents zeigt, kommentiert sie mit: „Wenn ich zu 80 Prozent ausgelastet bin, dann tragen sich alle meine Sozialprojekte nachhaltig.“ Ja, es ist für sie nicht nur okay, sondern sozialunternehmerischer Plan, mit der Linken zu nehmen, um mit der Rechten geben zu können. Und alle touristisch erzielten Profite sofort ins Soziale zu investieren. Auch dafür wird sie hier angesprochen als ehrwürdige Großmutter, als „weiße Heilerin“. „Ich bin hier Gast“, sagt Christine Wallner. Ein kleines, unbedeutendes Leben sei es hier, aber man könne mit 70 Jahren Dinge tun, „die bei uns niemals gehen“. Hier sei der Platz, wo sie zeigen will, „wie wir miteinander leben sollten, eine Zelle, die ausstrahlt, zur Verbindung inspiriert. Das ist nicht so weit weg von jeder Wirklichkeit.“ Ihr Wunsch: Alle bringen sich ein für ein besseres Miteinander. „Es gibt hier nichts, was man nicht brauchen kann, keine Idee, keine Fähigkeit. Wir müssen an Märchen glauben. Das macht gesund.“ Das Schlimmste, sagt sie, sei, „nichts mehr zu fühlen. Europa ist auf diesem Holzweg. Wir sind so geschützt und so versichert, dass wir nicht mehr lieben können.“ Gekommen ist sie vor sieben Jahren nach Ngare Nanyuki, einer Savanne mit Sumpfanteil, die Konzerne wohl als „inutiles“ Land qualifizieren und die sich deswegen ziemlich unberührt – wenngleich abgeholzt – erhalten hat. Mittlerweile ist Wasser eingeleitet für über 3.000 Menschen. Fast 600 Schulkinder von der Primary bis zur Berufsschule werden unterrichtet „in Englisch, mit Suaheli kann man die Welt schwer erobern“, und sie bekommen Essen, werden versorgt. Es gibt einen Kindergarten, eine Sportschule, ein Waisenhaus, eine Schneiderei und 7,5 Hektar Farmland. Einige Tausend Patienten konnte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Cornelia und lokalen wie externen Mitarbeitern und Fachleuten im Gesundheitszentrum im Vorjahr versorgen. 72 Afrikaner sind in den Projekten angestellt, zehn werden von der tansanischen Regierung bezahlt. Man benötige für diese Kooperationen viel „psychologisches Feingefühl“ – bei dieser Erklärung belässt sie es.

Alimi-malen-webJa, es rumpelt oft in den Projekten, sagt sie. Aber der „Pendelschlag des Kontinents“, wie der deutsche Afrika-Korrespondent Bartholomäus Grill schreibt, zwischen „abscheulich und traumschön, gewalttätig und friedfertig, bösartig und gutmütig, lebensprall und selbstzerstörerisch, geheimnisvoll und banal“ ist hier in Tansania mild. Seuchen-, Umwelt- und Drogenprobleme sind nicht unsichtbar, aber breiten sich nicht wie eine große Decke über alles. Ja, auch Gier ist entstanden, und Christine Wallner beschäftigt mittlerweile 18 Watchmen. Aber sie handelt das, jeden Tag sichtlich voller Freude. Christine Wallner kann selbst am Steuer sitzen und ordentlich über die Rumpelstraßen donnern, das tut sie auch recht gerne in ihrem afrikanischen „Dirndl“ aus der Africa-Amini-Alama-Schneiderei. „Du verlernst hier sehr schnell das Selbstmitleid, es steigt dir auch keiner drauf ein. Versuche mal einem Afrikaner als Weißer zu vermitteln, dass es dir schlechtgeht. Der glaubt, du bist total irre.“ So wurde vermutlich auch die Idee geboren, ihre Gästeunterkünfte als Burnout-Prophylaxe für Sabbaticals zu vermieten. Das läuft offenbar recht gut an.

Karin Bauer aus Momella, DER STANDARD, 11./12.4.2015, Danke für das Copyright an die Autorin und Chefredaktion

Buchtipp: Christine Wallner, „Mama Alama. Die weiße Heilerin. Ich habe mein Leben in Afrika gefunden“. € 19,95 / 256 Seiten. Orell-Füssli-Verlag, Zürich 2014

Bildlegende (v.o.n.u.): 1. Gut verborgen im Ast/Nest/Werk der Frauen: Mutter (oben) und Tochter Wallner (unten), 2. Offensichtlich große Freude über die gespendeten neuen Spitalsbetten, 3. Die beiden Ärztinnen bei der Behandlung einer Maasai-Frau, 4. Die AAA-Schneiderei, 5. Fußballspielen im Angesicht des Kilimanjaro, 6. Einblick in den Werkunterricht einer AAA-Schule, 7./8. Lodge und Guesthouse von Africaaminilife, 9. Cornelia Wallner-Frisee im Gespräch mit der Regierungsdelegation, 10. Christine Wallner inmitten ihrer neuen Heimat (Foto Karin Bauer), 11. Maasai, 12./13. Impressionen aus AAA-Schule. Copyright der Fotos (so fern nicht anders angegeben): Africa Amini Alama. 

 

 


1 Kommentar

  1. Almer Monika

    Sehr geehrte „Doktoren Wallners“, mit viel Freude habe ich Ihre Berichte gelesen. Ich bin voller Hochachtung für Ihre Arbeit und möchte Sie gerne persönlich kennenlernen. Nach meiner Pensionierung (als Dipl. Krankenschwester), Ende dieses Jahres, möchte ich mit meiner Tochter eine Reise zu Ihnen unternehmen. Was sollen wir Ihnen und Ihren Mitbewohnern mitbringen?
    Mit herzlichen Grüßen aus Österreich,
    Almer Monika

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