Globale und solidarische Abenteuer

Amini-Wallner-webGewäschshausHlade-LadakhiZahlreiche ÖsterreicherInnen haben in den letzten Jahren im Zuge von Reisen in sogenannte „Entwicklungsländer“ bei sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Projekten mitgearbeitet oder diese in Zusammenarbeit mit den örtlichen Bevölkerungen initiiert. Die meisten entstanden ohne größere Unterstützung von privaten oder öffentlichen* Institutionen.

Diese Projekte und deren ProtagonistInnen sollen „vor den Vorhang“ gebeten werden, nachdem sie meist nur Insidern bekannt sind. Der Titel „Solidarische Abenteuer“ soll besonderes Interesse bzw. Neugierde wecken. Auch wenn allgemein mit dem Begriff Abenteuer etwas anderes, Aufregenderes erwartet wird, so liegen allen in diesem Forum vorgestellten Initiativen besondere Ereignisse und Erlebnisse zu Grunde, die dessen Verwendung rechtfertigen. 
AUGUSTIN, die erste österreichische Boulevardzeitung, die 2015 ihr 20-jähriges Bestehen feiert, veröffentlicht die Solidarischen Abenteuer als Serie: www.augustin.or.at 

Die Plattform Solidarische Abenteuer

  •  soll die hier präsentierten Projekte und das Engagement der dahinter stehenden Menschen bekannter machen. 
  • und damit zu mehr Unterstützung führen. Danke im Voraus für Spenden im Namen der jeweiligen Projektleitung.
  • soll ein Forum zum grundsätzlichen Gedankenaustausch über Entwicklungszusammenarbeit bieten und einen Beitrag zum Verständnis anderer Kulturen leisten.

Grundsätzliches

Überfälliger Paradigmenwechsel

Angesichts der rasanten Entwicklung von wechselseitigen Begegnungen von Menschen in allen Erdteilen – ein Teilaspekt der Globalisierung  – wäre in Europa, aber auch in Nordamerika ein Paradigmenwechsel längst notwendig, da dort die vorherrschende Wirtschaftsweise nach wie vor dazu führt, dass die meisten Länder des Südens ausgebeutet werden.

Seit über 500 Jahren sind Europäer – oft aus sozialen Nöten heraus – aufgebrochen, um mit grausamsten Praktiken bis zu Genoziden die besten Lebensräume und Ressourcen dieser Welt zu erobern. Dies alles geschah unter dem Deckmantel von sogenannten „Entdeckungen“ und diese Lügen werden bis zum heutigen Tag aufrechterhalten, in dem man die „Entdecker“ nicht nur im Schulunterricht ehrt, sondern auch ein weitgehend unwidersprochener gesellschaftlicher Konsens über deren geradezu heldenhafte Bedeutung herrscht. Schon Christoph Columbus hat bei seiner ersten Begeisterung über seine „Entdeckung“ treu dem Auftraggeber, dem spanischen Königshaus, berichtet, was in dieser „Neuen Welt“ alles gewinnbringend zu verwerten ist. Bis zum heutigen Tag geht man in Europa, dass sich als Hort der Aufgeklärtheit, Demokratie und der Menschenrechte sieht, ungerührt und unhinterfragt darüber hinweg, dass all die „entdeckten“ Gebiete in Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika,  Australien und Ozeanien schon von Menschen besiedelt waren, diese also in Wahrheit und über jeden Zweifel erhaben als Entdecker anzuerkennen wären. Warum dieser Irrglaube in allen Bereichen – auch in der Wissenschaft – bis heute nicht aus der (globalisierten) Welt zu schaffen war, wäre wohl wert einer psychologischen Untersuchung unterzogen zu werden. Diese über 500-jährige von Europäern geschriebene und so grundlegend falsch tradierte Geschichte hat die Welt in ihren Bann geschlagen. Dazu gehört auch der europäische „Brückenkopf“ in Nordamerika, den USA und Kanada (mit von europäischen Einwanderern dominierten Gesellschaften), die ebenfalls auf dieser „europäischen“ Gedankenwelt basieren. Damit einher ging natürlich auch eine Wirtschafts-, nein richtiger, eine Ausbeutungsform, die bis heute im Umgang von der 1. mit der sogenannten 3. Welt anhält und die immer größere Flüchtlingsströme verursacht. Wobei dazu auch umgehend festzustellen ist, dass die Kolonial- bzw. später die Industriemächte in den „Entwicklungsländern“ heimische Statthalter, woraus im Lauf der Zeit lokale Oligarchien entstanden, eingesetzt haben, die auch rasch gelernt haben in die eigenen Taschen zu wirtschaften. Selbstverständlich können aber der Kolonialisierung nicht alle Probleme dieser Welt angelastet werden. Viele Missstände und (bewaffnete) Konflikte sind „hausgemacht“ und im Zeitalter der Globalisierung spielen neben den „klassischen“ Kolonialmächten z.B. auch die Arabische Welt, China oder auch Brasilien als ehemalige Kolonie eine bedeutende Rolle. Umso mehr wäre es notwendig eine friedliche Welt auf Basis universell geltender Menschenrechte und nachhaltigen Wirtschaftsstrukturen aufzubauen. 

Spätestens hier stellt sich die Frage, was dies alles mit den „Solidarischen Abenteuern“ zu tun hat. Es ist nicht allzu kühn die These aufzustellen, dass die hier vorgestellten ProtagonistInnen wenigstens versuchen dieser jahrhundertelangen Konstellation etwas entgegenzusetzen; den Menschen in den verschiedensten Ländern auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu respektieren und sie in ihrem Ringen um ein menschenwürdiges Leben zu unterstützen. Sie versuchen damit den ständigen Kreislauf der Ausbeutung, die unter dem neuen Deckmäntelchen des „Neoliberalismus“ hurtig weiterläuft, zu durchbrechen. Auch wenn dies nur als ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ gesehen werden kann, so bleibt die Hoffnung „Steter Tropfen höhlt den Stein“ bestehen.

Vorurteile hinterfragen

Die Begegnung mit anderen Kulturen ist stets auch wichtig zur Reflexion der eigenen Kultur und dem eigenen Weltbild, das allzu oft von Stereotypen und Vorurteilen geprägt ist. Das musste auch ich aus eigener Erfahrung reumütig erkennen. Obwohl ich schon längere Erfahrung mit Entwicklungszusammenarbeit und Menschenrechtsarbeit hatte, kam ich 1991 doch (unbewusst) mit einem Rucksack voll Vorurteilen in die Cordillera von Luzon auf den Philippinen.  Nie hätte ich gedacht, dass ich im Rahmen einer Fact Finding Mission bei den Indigenen hoch in den Bergen auf gut ausgebildete junge AktivistInnen treffen würde und dass diese im Büro ständig ihre/meine Lieblingsmusik von Tracy Chapman bis Bob Dylan spielen würden. Und dass dort bereits Karaoke gesungen wurde, als dies in Österreich noch gänzlich unbekannt war. Leicht angeheitert stimmte ich zu, dies auch zu probieren; allerdings mit dem Hintergedanken, dass in dieser „Berg- und Dorfdisko“ eines meiner Lieblingslieder „In the early morning rain“ gänzlich unbekannt sein würde und ich deshalb „aus dem Schneider“ wäre. Weit gefehlt: Umgehend wurde mir ein Mikrophon zu den Klängen genau dieser Liedes vor dem Mund gehalten. Was folgte war wohl einer der peinlichsten Auftritte in der Musikgeschichte.

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Auch die ProtagonistInnen dieses Projektes erlebten viel Neues, Unerwartetes und Abenteuer unterschiedlichster Art. Besonders bemerkenswert ist aber ihr Engagement, das in einigen Fällen erst unmittelbar vor Ort geweckt wurde, wobei immer die Wünsche und Erwartungen der jeweiligen einheimischen Bevölkerung im Vordergrund standen. 

Hans Bogenreiter, Jänner 2015

 

Bildlegende: Rechts: Der Initiator der Serie im Kreise von AktivistInnen der Allianz der Cordilleravölker (Herbst 1991), Einstieg  (von li. nach re.):  Projekte Kinderträume (Mexiko), Qero (Peru) und Solarschule Lingshed (Ladakh)

* In Österreich beschränkt sich die staatliche Entwicklungszusammenarbeit (EZA) grundsätzlich auf einige wenige Staaten, die in ihrer Größe und Bevölkerungsanzahl Ähnlichkeit mit der Alpenrepublik aufweisen. Das macht durchaus Sinn, da ja ein so kleines Land nicht die „ganze Welt“ unterstützen kann. Die in diesem Buch vorgestellten Personen sind aber natürlich nicht unter dieser Prämisse zu ihren Reisen aufgebrochen. Ihre Begegnungen und damit ihr Engagement haben sich meist zufällig oder auf Grund von beruflichen oder privaten Beweggründen ergeben.

 

PS: Grundsätzlich zählen MitarbeiterInnen von nationalen und internationalen Organisationen nicht zur Zielgruppe der Solidarischen Abenteuer. Damit soll deren Engagement keineswegs abgewertet werden, zumal dieses ohnehin innerhalb der jeweiligen Organisationen gewürdigt wird.  

 

Der Initiator der solidarischen Abenteuer

Johann (Hans) Bogenreiter, geboren 1952 im niederösterreichischen Mostviertel als Sohn von Kleinbauern. Buchdruckerlehre in Scheibbs, danach Anstellung als Buchdrucker in Wien, Matura am Abendgymnasium für Berufstätige in Wien, Studium der Rechtswissenschaften (Abschluss Doktorat), nach einem Abstecher in die Privatwirtschaft über 22 Jahre in der Gesellschaft für bedrohte Völker-Österreich: zeitweise Geschäftsführer, verantwortlich vor allem für die Vereinszeitung, Bild- und Textkalender „Lebenszeichen“ (20 Ausgaben), Redaktion der Bücher „Unser Amerika – 500 Jahre indianischer Widerstand“ und „Land ist Leben Bedrohte Völker im Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt“ (jeweils Verlag Jugend & Volk), danach Redaktion und Vertrieb Kalender Global Player 2013, Anstoss 2014 und Rand-ART 2015.

„Angesichts der nach wie vor so eklatanen Ungerechtigkeiten in allen Lebensbereichen auf dieser Welt sehe ich es für mich persönlich als ein wichtiges Anliegen, Menschen, die sich aktiv  für Verbesserungen engagieren, in diesem Blog vorzustellen, Sie geben den dortigen Bevölkerungen neue Hoffnung und Perspektiven, die sie daran hindern abzuwandern.“